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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
217
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Da neigte sich der Prädicant an das Ohr Servct's, der sich aufdie Kniee erhoben hatte. Farell sprach zu ihm:Servct, es istjetzt noch Zeit, willst du dein Verbrechen eingcstehen, und dich demewigen Sohne Gottes empfehlen?" Servct sagte leise:Gott!Gott!"Ist dich Alles?" erwicdcrte Farell. Der Leidende sah ihnfest an und antwortete:Was wollt ihr von mir? Wem kann ich meineSeele besser empfehlen, als meinem Schöpfer?" Farell entgegnete:Es ist ein Notar hier, der deinen letzten Willen aufsetzen wird; hastdu ein Weib und Kinder hinterlassen?" Der arme Sünder schüttelteden Kopf. Der Präticant fuhr weiter fort:Willst du dich nicht demGebete der Umstehenden empfehlen?" Servct sagte:Ja," und Farellrief:Höret! Servet bittet euch, daß ihr für seine Seele beten möchtet;"und indem er sich zu dem Verurtheiltcn wandte, beschwor er ihn zumLetztenmale, Jesus als den Sohn des ewigen Gottes zu bekennen: dieLippen des Spaniers blieben geschlossen. Farell wandte sich gegen dasVolk und sprach mit lauter Stimme:Höret, Satan bemächtigt sichdieser Seele" ; darauf entfernte er sich.

Au> ocm Champel war ein Pfahl tief in die Erde eingcgrabeu.An diesen Pfahl band man Servet mit einer eisernen Kette. Sein Halswar vier oder fünfmal mit einem dicken Stricke umschlungen; sein Kopfmit einer in Schwefel getränkten Krone von Stroh bedeckt; das Buchvon der Dreieinigkeit hing am Schandpfahle. In dieser Stellung blieber lange vor einer unermeßlichen Volksmenge zur Schau gestellt. Erbat den Henker, er möchte die Zubereitung zur Hinrichtung beschleuni-gen. Der Henker, welcher mit zitternder Hand die grünen Reißbündelnm das Opfer sammelte und reihte, konnte nicht schneller gehen. Erzündete den Holzstoß an, der langsam brannte unv dessen Flamme schim-merte, und den Spanier mit einem lichten Schein umgab. Die Füße des

R. Walson, der Verfasser einer Lcbensgeschichte Wcsley's, welche öftergedruckt wurde, führt eine Stelle aus einem geschriebenen Tagbuche an, inwelchem Wesley behauptet, er habe in der Sammlung der Prozeßacten desServet, welche sich in der Bodlcianische» Bibliotheke befanden, folgendes Be-kenntniß des unglücklichen Spaniers gelesen:Ich glaube, daß der Vater Gottist, daß der Sohn Gott ist, und daß der heilige Geist Gott ist."

Wesleh glaubt auf ein so ausdrückliches Glanbensbekennlniß hin den Cal-vin der Verleumdung beschuldigen zu müssen.

Aus dieser Erzählung Watscn's würde hervorgehen, daß die ProzeßactenServct's von Genf nach England kamen; aber wie und wann? dieß zeigt ernicht an.

Die Acten des Prozesses, welcher gegen Servet geführt wurde, befandensich sonst im erzbischöflichen Gebäude zu Vienne, aber sie sind jetzt nicht mehrvorhanden. Die Revolution von 1593 hat die Papiere zerstreut.

1) tlkckvin st Oeneve, p. 230 231,