Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
216
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bencs Urtheil, wodurch wir dich Michael Servet verdammen, daßdu gebunden, und auf die Stätte des Champcls geführt, an einenPfahl befestigt und sammt dem Buche, das von deiner Hand geschrie-ben ist und gedruckt wurde, lebendig verbrannt werden sollest, bisdein Leib in Asche zerfallen ist und so deine Tage ein Ende haben,damit Andern ein Beispiel gegeben sei, wenn sie Gleiches wie du be-ginnen wollten. Euch, unserm Lieutenant, gebieten wir, unser gegen-wärtiges Urtheil zu vollziehen."

Sobald das Urtheil verlesen war, schlug ein Knecht den Verur-theilten mit seinem Stabe. Servet beugte sich, fiel aus beide Knieenieder und rief:Durch das Schwert! Gnade! nicht durch das Feuer!Ich könnte verzweifeln! : Wenn ich gesündigt habe, geschah es ausUnwissenheit." Farell hob ihn auf und sprach zu ihm, indem eran ihm zog:Bekenne deine Schuld und Gott wird mit deiner SeeleBarmherzigkeit haben."Ich bin kein Verbrecher," erwiederte Servet,ich habe den Tod nicht verschuldet; Gott stehe mir bei, und vergebemir meine Sünden!"Wenn dieß ist," sprach der Prädicant,willich dich verlassen." Servet hatte Furcht und schwieg. Bisweilen hober die Augen zum Himmel auf und sprach leise:O Jesu, du Sohndes lebendigen Gottes, Gnade! Gnade!'^)

Als Servet auf der Richtstätte ankam, warf er sich aus sein An-gesicht nieder und stieß ein schreckliches Geheul aus.

Farell hatte sich gegen das Volk gewendet, dem er den Unglückli-chen, dessen Zähne in den Staub bissen, mit dem Finger zeigte.Sehet," sprach er zu den Zuschauern:Dieser Mann, den man hierverbrennt, ist ein Gelehrter, der vielleicht nichts Anderes, als dieWahrheit lehren wollte; aber nun ist er in den Händen des Teufels,der ihn nicht mehr auslassen wird?) Wachet und hütet euch wohl,und fürchtet, der Teufel könnte es euch auch so machen,"

1)Die Geschichte des Michael Serveto." 1 Buch. S. 222 u. d, f. Die Erzäh-lung der letzten Augenblicke Kieses Ketzers ist aus einem noch»gedruckten Briefegenommen, welchen Farel an Ambrosius Blauren schrieb, von welchem Holtinger inseiner Geschichte der Schweizer-Reformation S. 804 berichtet, und aus derUisloris cke morte trucnlonts Ilickaeli« 8ervoti irispuni, welche in dasWerk ausgenommen ist: Contra likeilum Calvin, quo vslonckero conslurftseretioos furo ßlsckii cooroonckos esse. p. 187.

2) Der ungenannte Schriftsteller, welcher die Schrift Calvin'» «In iravreliois ,,u-nienckis widerlegte, beweist durch die Worte Farell'», daß Servet nur des Irr-thums schuldig war.8i quick male soripserat, orrans locoral, sioulipsomet k'srellus ack populum ante rozum 8ervolo toststuz ost," Con-tra libollum Calvini, p. 08.

Dieß ist übrigens nicht das einzige protestantische Zeugniß zu GunstenServet's.