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ihr müßt die Zeit anwenden, an Gott zu denken, und euch zubessern."
Servet schwieg; Calvin glaubte, er habe seine Rolle zu Endegespielt, er nahm Abschied von dem Unglücklichen, ohne ihn zu um-armen.
Die Thüren des Gefängnisses öffneten sich. Das Volk wurde vomMitleid bewegt, als es den lebenden Leichnam sah, dessen Haupt inFesseln gebleicht hatte; der sich umsah, als erwarte er einen Engel vomHimmel. Manches Angesicht benetzte sich mit Thränen.
Der Zug hielt vor dem Stadthause und der Gerichtsschreiber lasmit lauter Stimme das Todesurtheil ab. Servet hörte es stillschwei-gend an.
„Wir Syndici, Richter des peinlichen Gerichts dieser Stadt,haben auf die Klage unseres Lieutenants sogleich Gericht gehalten ge-gen dich Michael Servet von Villeneufve im spanischenKönigreiche Arragonien, und haben aus dieser Klage und dei-nen eigenen Bekenntnissen, die du uns machtest und mehrere Malewieder zurücknahmest; dann aus den Büchern, die uns vorgelegt wur-den, entnommen und erkannt, daß du, Servet, seit langer Zeit einefalsche Lehre, voll Ketzereien, mit Verwerfung aller Ermahnungen undZurechtweisungen, in boshafter und sündiger Verstockung beharrlich ver-breitet, und sogar durch den Druck in offenen Büchern ausgeben hast,gegen Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den heiligen Geist,gegen alle wahren Grundlagen der christlichen Religion: wodurch duTrennungen und Störungen in die Kirche Gottes bringen wolltest,was manche Gemüther hätte verderben und zu Grunde richten können:ja, daß du, was schrecklich und entsetzlich, gottlos und verderblich ist,sogar keinen Schrecken und keine Scheu gehabt hast, dich gänzlich gegendie Majestät Gottes und der heiligen Dreieinigkeit aufzulehnen, unddir mit aller Verstocktheit Mühe zu geben, die Welt mit deinen Ketze-reien und deinem stinkenden Ketzergifte anzustecken. Es ist dieß einschweres und verabscheuungswürdiges Verbrechen der Ketzerei und ver-dient eine schwere körperliche Züchtigung. Dcßhalb und aus anderngerechten Gründen fühlen wir uns bewogen, die Kirche Gottes vonsolcher Ansteckung zu reinigen und ein so faules Glied von ihr zutrennen; nachdem wir uns mit unseren Mitbürgern berathen und denNamen Gottes um gerechtes Gericht und Urthcil angerufen haben, spre-chen wir, sitzend an der Gerichtsstätte unserer Väter, Gott und seineheilige Schrift vor Augen: Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnesund des heiligen Geistes fällen wir dieses unser ausdrückliches, geschrie-