Vorausbestimmung feindlich gestimmt war, und weil ein Streitsatz überdiese Materie die Prediger mißvergnügt gemacht haben würde.
Einige Tage später kam einer der Machthaber zu Bolsec undbat ihn, das Gebiet von Bern „zu räumen."
Calvin war gewandter gewesen, als sein Gegner, den er im Dun-keln mit einem zweifachen Schlage traf: mit der Verbannung und demGebote des Stillschweigens.
Nie wurde Jemand kränkender gestraft für seinen Abfall, als derArzt von Lyon. Von der honigsüßen Lehre des Reformators verlockt,hatte er geglaubt, sie bringe dem gefallenen Menschen die Freiheit;kaum hatten aber die Lippen des eiteln Menschen, der nur Aufsehenmachen wollte, einige Zweifel gegen die Genfer Symbolik zu stammelnversucht, als man ihn schon in's Gesängniß setzte, demüthigte und schmäh-lich verbannte! Und Derjenige, welcher ihn mit so grausamer Strengeverfolgte, war der junge Mensch, den er einst zu Paris sah, wo ersich in das Gewand eines alten Philosophen hüllte, um dem KönigeFranz I. einige bleiche Worte einer todten Sprache zu Gunsten derlutherischen Neuerer in die Ohren zu lispeln. Die Prüfung war sehrgrausam gewesen: sein Herz ertrug es nicht mehr; er kehrte zum Katho-licismus zurück, von der Reformation wohl hart genug geprüft, daßman glauben konnte, seine Bekehrung sei eine aufrichtige.
Er hatte die Reformation kennen gelernt, die im Tempel durch Pre-diger repräsentirt wurde, von denen Calvin eine so traurige Schil-derung macht; und eben so im Konsistorium von beamteten Spionen,die man von den Geldbußen zahlte, welche man den Angeklagten aufer-legte; im Gerichte von jenem Colladon, welcher die Armen bis zumletzten Athemzuge folterte; im Rathe von jenen Bürgern, die ihre Händeim Blute Gruet's gewaschen hatten; in der Wohnung des DoctorS voneinem jungen Menschen, der sich jederzeit hergab, vor Gericht zu lügen,um einen Mann zu belasten, den der Reformator haßte, und im Staatevon dem Theokraten, der ein lebendiges Abbild der Heuchelei, Unduld-samkeit und Schwärmerei war. Wie hätte er nicht ganz glühend vorHaß zurückkehren sollen in den Schooß des Katholicismus?
Ehe er starb wollte er aber das Leben Calvin's schreiben. Als
1) Histoire cke Is vie, moeurs, aetes, ckoetrine, consisnce et mort ckeckean Lslvin, jsckis ministre äe Ceneve, imp. » in 8., psr
4ean kati-ssson, 1577. — Diese Schrift machte großes Aufsehen. Siewurde im nämlichen Jahre in Paris bei Mallot gedruckt (Lelonz, Lib.,p. 78. ^>r. 1741), in Köln im Jahre 1580 in's Lateinische übersetzt, nnd inderselben Stadt auch in's Deutsche, 1581.