das Buch zum erstenmale in unsre Hände fiel, warfen wir es, nachdemwir einige Kapitel durchgangen hatten, als eine gehässige Schmähschrifthinweg. Alle Zeugnisse suchten den Bolsec niederzudrücken. Nachdemwir aber den Reformator durch ein genaues Studium kennen gelernthaben, sind wir genöthigt, die Erzählung des Lyoner Arztes zum Theilanzuerkennen. Die Zeit ist für Bolsec günstig; jeder Tag straft dieLobredncrCalvin's auf's Neue Lügen. Hatte man nicht bis zu dieser Stunde dasVorhandensein seines Briefes geläugnet, in welchem der Reformatorschon im Jahre 1546 das Loos des Servetus voraussagte, wenn erje nach Genf kommen würde? Dieser Brief ist gefunden worden, Bolsechat nicht gelogen.
Beza rühmte die Milde und Besonnenheit seines Freundes in demKampfe mit Bolsec; und drei Jahrhunderte später erhob sich eineStimme welche sprach: „Ich habe das Unrecht Calvin's einsehenlernen: Bolsec zeigte sich in seinem theologischen Streite als einen weisenund aufgeklärten Mann." Als Bolsec Rechenschaft verlangte über dasBlut Gruet's, klagte ihn Beza der Lästerung an; und heut zu Tageruft Galiffe, nachdem er die Prozeßacten durchforscht hat, dem Calvinzu: „Du bist es, der Gruet getödtet hat!" und er sagt die Wahrheit.Bolsec ruft eine patriotische Seele um die andere vor, welche Johannvon Noyon in Bande, in die Verbannung oder in's Grab brachte; undBeza antwortet bei jedem Namen mit dem gleichen Ausdrucke: „Esist eine Lüge!" Aber Herr Galiffe hat diesen Schatten allen wiedergerufen; er reinigte sie von dem Staube, unter dem sie in den Archivender Republik ruhten; wie bei Shakespeare halten sie die Leichenrondeund so oft einer vorübergeht, stoßt er gegen den Reformator einen Schreides Vorwurfs aus. Verwerft nun solche Zeugen, wenn ihr es wagenkönnt! Vielleicht findet man noch in Noyon die Lilienblüthe, von welcherBolsec sagte, daß Calvin ihre Stygmata trage.
1) Bunemann hatte auf sein Eremplar geschrieben: „Lolsee et kescius suntnobile par calumniantium, auorum verbis nemo, nisi nullius ticketbomo, dickem sckjunget." — In den Acten der zu Lyon im Monate August1563 gehaltenen Generalsynode liest inan: „Hieronymus Bolsec, ein infamerLügner." .-4vmau. 8;n. nationaux, in 4., t. I., Part, 2, p. 49. —Varillas sagt von der Geschichte Calvin's, sie sei in einem heftigen Stylegeschrieben.
2) Calvin ä Ceni-vo, 219, 229. Picot schrieb: „Der allzu absolute CharakterCalvin's zeigt sich bei diesem Streite in einem grellen Lichte. Es ist schwer,zu glauben, Calvin habe die Beweise, deren er sich bediente, recht verstanden."Ilistoire cke Ceneve, t. II., zi. 18.
3) Zur Prüfung dieser Frage, die wir uns wieder vorzubringcn erkühnen, vcr-Alciche man folgende Schriften: Ombre cke Luussesu a Calvin, 8. imprimek> Ceneve. — viscours sur le crime contre naiurc et la lletrissuro