entspann sich ein Streit, oder vielmehr eine Comödie zwischen demRathe und den Pastoren: der Rath meinte, man solle dem Gefangenendie völlige Freiheit wieder schenken, eine einzige ketzerische Bemerkungkönne ihn nicht beschimpfen, und man solle ihn ruhig in Genf lebenlassen. Calvin verlangte ein Zeichen der Entehrung, welches Bolsecauf immer an der Stirne tragen sollte, eine körperliche Züchtigung.Man wurde sehr unruhig. Die Rathsherrn gaben sich das Ansehen,als wollten sie für den Schuldigen um Gnade flehen, sich mitleidig mitihm bezeigen und sanftmüthig gegen ihn verfahren; Calvin ging end-lich aufgebracht hinweg, und der Rath fällte folgendes Urtheil:
„Wir Syndici, auf Antrieb des Criminal-Lieutenants, gegen dich,Hieronymus Bolsec: Es erhellt, daß du dich in der heiligen Versamm-lung mit all zu großer Kühnheit erhoben hast; eine Meinung, die duaufgestellt, ist der Wahrheit des Evangeliums entgegen; man hatdir durch das Wort Gottes und durch die Gutachten der Kirchen be-wiesen, daß deine Meinungen falsch sind; du wolltest dieß aber nichtanerkennen: deßhalb bist du einer schweren Strafe würdig. Dennochwollen wir mit Milde verfahren und deine Strafe vermindern; wirverbannen dich also auf ewig vom Gebiete Genfs."
Bolsec packte einige Bücher zusammen, welche seine Bibliothekeausmachten und seine poetischen Eingebungen, die er im Gefängnissegehabt hatte, und entfernte sich, eine Stadt verwünschend, die ihnverbannte, weil er sich gegen ein Geheimniß erhoben hatte, welches derReformator nach seinem eigenen Geständnisse selbst nicht begriff, da ersagte, „die Engel des Himmels begreifen es nicht einmal."
Bolsec zog sich nach Thonon zurück, und war mit der Ausübungseines ärztlichen Amtes beschäftigt, als ihm zu Ohren kam, daß derStreit über die Vorherbestimmung aufs Neue beginne, und daß Calvinbemüht sei, die Richter von Bern zu einem Verbannungsurtheile zubewegen. Damals verließ er seine Kranken und ging nach Bern, woer bald anlangte. „Immer zu Pferd, mit dem Postillon reisend,gewahrte ihn Meister Raymond Chauvet, der Freund des genanntenCalvin, der es sehr schnell seinem Freunde zur Anzeige brachte."
Der Streit drohte lebhaft zu werden; nach Bolsec's Angabe verließCalvin den Kampfplatz. Aber der Reformator darf hier nicht der Feig-heit angeklagt werden. Wenn er Bern verließ, so geschah es, weilder Geist dieser Stadt gegen die Genfer Dogmatik im Punkte der
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1) 6slvin ä Oeneve, 2t9.
2) Vre äs öere, pgr öotsec.