untersucht hatte, und aus dessen Lösung die Menschheit frei oder gekettethervorgehen sollte: es war also ein Streit um die moralische Freiheitoder Sklaverei.
Wenn man Calvin's Buch öffnet, sieht man, daß er die volleWichtigkeit des Kampfes begriff; denn er will seinen Gegner tödten, eheer die Waffen ergriffen hat, und schreibt auf das Titelblatt seinerSchmähschrift: „Antwort für einen Verleumder." Gleich in den erstenZeilen des Werkes versteckt er sich hinter Gott, um die Streiche seinesGegners nicht auffangen zu müssen. „Die Schläge, die du auf michführst," sagt er, „werden durch meine Brust gehen, und bis zurewigen Wahrheit dringen *), und dieß ist es allein, was mir Thränenerpreßt."
Castalion gleicht aber nicht jenen deutschen Mönchen, welche schnelldie Flucht ergreifen, wenn sie zu heftig gereizt werden, und sich dannunter das Gewand eines Scotus oder den Mantel des Aristoteles ver-stecken; er glaubt an sich, an sich allein.
„Ohne Freiheit," sagt er, „gibt es nichts Böses und nichts Gu-tes 2); wo bleibt da die Sittlichkeit?"
„Die Sittlichkeit," antwortete der Reformator, „ligt im Willen."
Castalion lächelt und erwiedert: „Aber wer bewirkt diesen Willen,Gott?"
Calvin fährt fort: „Das Gute entspringt nicht aus der Handlung,sondern aus dem Gedanken: der Stolz, der Geiz, der Neid, sind nichtin Gott, sondern im Menschen. Wie Gott aber den Menschen sündigenläßt, und das Wesen, dem er vorausbestimmt hat, daß es den Wegder Wahrheit wandeln soll, an den Jrrthum fesselt: das ist ein Gcheim-niß, das er verhüllt hat!"
Castalion sing an zu lachen und rief laut aus: „Ich begreife dichnicht."
Da machte es Calvin wie Luther, als er von Emser zu sehr in dieEnge getrieben wurde.
„Weder ich begreife cs, noch die Engel: ich bete es an; und
1) Hoe tsntum lloteo quoll per Istus meum eonligitur sseru ills seter-nsque Lei veritss. Orllv., in kesp. sll eulumniatoris prsetutionem.
2) Osstul., gpull. Ost. Illeol., p. 629.
3) veum severe prollibere et veture eonstat quillquill est contrsriumsuo manllato. Our sutem volens errare sinat et areano llecreto er-rori alllliest quem vism rectum teuere suket, sokriae mollestiae estneseire. Ost. lle aeterna praellestin.