dem ein Streit mit Stecknadeln. Es war, als ob man sich beiderseitsder Feder nicht mehr zu bedienen gewußt habe, und jene ätzende Tintegänzlich außer Gebrauch gekommen sei, welche in Marburg und Augs-burg so große Wunder that.
Die Zürcher begannen mit einem Pamphlet, dessen Gift schongänzlich im Titel ausgegossen ist: „Wahrhaftes Bekenntniß der Die-ner der Kirche zu Zürck, was sie lehren, insonderheit vom Nachtmahl,auf das Schmahlen, Verdammen und Schelten von Doctor MartinLuther."
Das Pamphlet selbst entspricht aber dem Titel nicht; Calvin hatcs vollkommen characterisirt, indem er cs die „Schmähschrift einesnüchternen Kindes" nannte.
Luther hob den Handschuh nicht auf; der Haß blieb aber in sei-ner Brust wach. Einige Tage vor seinem Tode schrieb er: „Glück-selig der Mann, welcher nicht in den Nath der Sacramentirer geht,und nicht auf dem Wege der Zwingliaucr steht; und nicht auf demLehrstuhl der Zürcher sitzt!" s)
Calvin hatte sich einen Augenblick geschmeichelt, die zerstreutenGeister mit Hilfe seiner Zwittcrformel vereinigen zu können. Farel,welcher an das Glück des Genfer Tropismus glaubte, gab seinemFreunde den Nath, er solle nach Zürch gehen, wo seine Lehre, mitHilfe des heiligen Geistes, eine Versöhnung zu Stande bringen werde,um welche sich Philipp von Hessen vergebens bemüht habe. Calvintäuschte sich nicht in Bezug auf die Stimmung der gemeinschaftlichenNebenbuhler.
„Ich sehe nicht ein," schrieb er an seinen Freund, „warum dumir vor Kurzem den Rath gabst, nach Zürch zu reisen, um die Brü-der zu ermahnen; — erstlich weiß ich nicht, worin sic gefehlt haben,da ich weder ihre Bücher, noch die Briefe je gelesen habe, welcheLuther so sehr in Wuth gebracht haben. Ich weiß schon, was sie mirantworten werden. Sie werden die wunderbare Geduld hoch rühmen,mit der sie bisher gezwungen worden, jenen Mann zu begütigen.Denn selbst Bullinger, als er sich vor einigen Monaten bei mir überLnther's rauhe Härte beklagte, lobte ganz absonderlich seine und derSeinigen Sanstmuth. Man mußte den Luther zu besänftigen suchen.Wird man cs wohl von den Zürchern erzwingen können, daß sie Luther
1) ke.rlns vir, qui nan glliil in consili.i Laer-iinentnenm, nee s1el.il in
via (lln^Iiannruni, nee sellil in e.illieckrs '1'i^neinoenin._ x,,. ^scoba
I'rnbst, eeclesme Kremeusis ckucturi, 17. 5uu. 1540. '