indem sie mit der Bibel in der Hand behauptete, die Obrigkeit könne denhartnäckigen Ketzer nicht mit dem Tode bestrafen. Diese Lehre ermuthigtealle Sectirer. Man must sich aus Calvin's Schriften überzeugen, mitwelchem Eifer er die Gemüther durch die Verheißung des himmlischenLohnes zur Empörung anlockt. Welch ein Bild entwirft er von derStandhaftigkeit seiner Christen, die durch seine Schriften verblendetwurden und in den Tod gingen, ohne daß sie einen einzigen Artikel desGenfer Glaubensbekenntnisses verstanden hatten! Er wollte der Weltglauben machen, Heinrich H. sei ein zweiter Domitian, und das König-reich Frankreich sei ein ungeheurer Scheiterhaufen, in welchen man dieJünger Jesu Christi werfe, wie in Rom unter den Kaisern. „Betrachtetdie in Frankreich erhobene Verfolgung und laßt uns für die Brüderbeten!" ruft er aus. Gleich macht er aus den Parisern ein Volk vonKannibalen, welches vor den Holzstößen liegt. „Der Franzose ist einrasender Thor," sagte er*); „er wollte den Tod unserer zwei Brüdermit Augen schauen; Gott lindre ihre Wuth!" — „Sollte man nichtglauben, dieses Volk wolle mit dem Gotte des Himmels einen Riesen-kampf bestehen? Bewunderungswürdig ist die Standhaftigkeit unsererBrüder! Und bei diesen unerhörten Vorfällen will der König Augenzeugesein. Ein Christ bot sich freiwillig der Marter dar, um drei WorteChristi dem Fürsten ins Angesicht zu sagen, der bei der Verbrennunggegenwärtig war." An demselben Tage bestieg er die Kanzel, vonweicherer, ein schlechter Sohn und schlechter Bürger, über sein Vater-land und seinen König den göttlichen Zorn herabrief. Und wie unge-recht, wie undankbar handelte er hierin! In dem nämlichen Jahre gebotder König den weltlichen Behörden: „sie sollten über Ketzervergehen ent-scheiden und dann die Schuldigen der bischöflichen Gerichtsbarkeit über-geben," welche, wie bekannt ist, keine strengere Strafe auferlegen konnte,als die eines lebenslänglichen Gefängnisses. So vergiftete Calvin miteinem Male die mündliche Ueberlieferung und die sprechenden Zeugnisseder Geschichte seiner Zeit.
In Frankreich regten seine Schriften die Bevölkerung auf. Dieneue Symbolik, aus welcher die Beicht, das Fasten, die Buße, die
1) Dira nunc in illa regioue persecutio arcket; cpiaro pios tratrcs pre-cibus nostris suvemus. Uallus nikiluminus insanit. Ipso cum nuperckua exurerentur, spectator esse voluit. Dominus tarn atrocem tero-ciam compescst virtute sua. — Ass. Den. Dck. 154g. Darellu.
2) Uallus ita insanit ut ckicas veile cum Deo ^izantum instar conlli>;ere;mira interim msrtvrum eunstantia. Ouuck rexst nunquam aecickerst,guickam Skonto in sacrilieium se clestinavit, ut sattem likerv triavertia ,,ro Ukristo prokerret spuck eum, cum ack spectancka incenckiaproperaret. — As. Zurück. 15. .^ug. Lull^ gero.