nicht wie in Madrid oder Venedig auf das Bilvniß Jesu Christi, daß siedie Wahrheit sagen. Wenn die Angabe gemacht war, setzten sie sichmitten unter die Richter, dem Schuldigen gegenüber, den sie anklagten.Der Name, den sie führen ist kein Schimpf, er ist aus dem NeuenTestamente genommen: es ist der Apostel Paulus, welcher sie mit demNamen der „Aeltesten" getauft hat. Die Buße, zu welcher der Schul-dige verurtheilt wird, dient dazu, jede Vorladung zum Gerichte zubezahlen. Suchet in allen Geschichten, ihr werdet kein Reich finden,das auf eine solche Weise seine Freiheiten an einen Fremdling vergab.Alles ist außerordentlich in dieser Priesterregierung, insbesondere dieGestalt des Oberpriesters, welche jener des egpptischen Priesters gleicht,durch seine unleidliche Kälte; wie jener des römischen Augurs, durchdas spöttische Lächeln, welches auf seinen Lippen bebt; und jener despolitischen Inquisitors in Venedig durch eine unbeschreibliche Mischungvon Grausamkeit und Hohn. In jenen Unglückszeiten, zu welchen inder Stavt Alles vom Tode berührt zu sein scheint, lebt und rührt sichallein das Konsistorium. Kaum kann es den Anzeigen Genüge leisten,welche die Aeltesten ihm wöchentlich hinterbringen. In einem einzigenJahre waren mehr als zweihundert Prozesse wegen Lästerungen, Ver-leumdungen, ausgelassenen Reden, Sittenverletzungen, Beleidigungengegen Calvin, Schmähungen der Prediger, Schimpfreden gegen diefranzösischen Verbannten, auf Anstiften des Konsistoriums bei demRathe anhängig. —-
Unter den Verordnungen, welchen Calvin Anerkennung verschaffthatte, sind einige, welche den Besuch jener Schenken verbieten, in denensich das Volk, selbst unter den Bischöfen, gewöhnlich versammelte, umseine Angelegenheiten zu besprechen. Sie waren auch ein Zufluchts-ort, an welchem sich das Volk versammeln konnte, um die Bande einergemeinsamen Brüderschaft enger zu verbinden, oder gegen Unterdrückungzu chrotestiren. Es mußte mit Stillschweigen die Beleidigungen hinunter-schlingen, die man all seinen Neigungen anthat. Wenn es sich einschüchternes Lächeln, ein schwaches Spötteln, unschädliche Anspielungenerlaubte, folgte die Strafe auf dem Fuße nach: eine Kirchenbuße, dieam Hellen Tage mit lauter Stimme verkündet wurde, überliefert denNamen des Schuldigen dem Stadtgereve; und am nächsten Sonntageverfolgte der Prädicant im Namen Gottes von der Kanzel herab einenUnglücklichen, welchen die menschliche Gerichtsbarkeit schon beschimpft hatte.
Die Libertiner verloren den Muth nicht; aber der Kampf war un-gleich: sie konnten sich nicht versammeln, um sich über die Mittel zumAngriffe zu berathen. Wenn sie sich an einem Festtage bei Tische