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leiden, weil Alles vollbracht ist. Die Auferstehung der Seele durchden Glauben ist ein Unding. Der Mensch ist hier in einem Standeder ursprünglichen Unschuld, in welcher er nicht sündigen kann. Fürdiese Sectirer gibt es keine menschlichen Gesetze; jedes Glied der mensch-lichen Gesellschaft hat keiner andern Eingebung zu folgen, als jenerdes Geistes. Da die Ehe ein fleischliches Band ist, kann sie nachBelieben getrennt, geknüpft, vervielfacht werden; es gibt nur eineeinzige, rein mystische Einigung: nämlich jene des Geistes. Alle Güterdieser Erde sollen gemeinschaftlich sein. Die Freiheit duldet keine Schran-ken. Die Materie wird nicht auferstehen, der Geist ist in Gott zurückgekebrt.
Das ist ein förmlich ausgebildetes System; wo hat es aber Calvinaufgefnnden? Keiner von den Libertinern, die er so heftig verfolgte,hat ein geschriebenes Bekenntnis hinterlassen. Wenn ihr ihnen aufdas Eonsistorium folgt, hört ihr sie nie ein Glaubensbekenntnis dar-legen. Aus Genf vertrieben, verbinden sie sich mit keiner Secte undtheilen nichts von ihrer Symbolik mit; wenn, sie, auf dem Schaffotesterben, rufen sie die Freiheit aus, und dies; ist ihr letzter Schrei. —Schröck, Plank und Paul Henry konnten in den zahlreichen Prozessender Libertiner keinem religiösen, zum Dogma erhobenen Gedankenbegegnen. Wir waren aber so glücklich, diese pantheistische Symbolikin den Werken des Servetus zu finden: aus ihnen hat sie Calvin
gezogen und den Libertinern zugeschrieben. Es ist dich derselbe Gott,dieselbe Natur, derselbe allgemeine in den Planeten, in der Luft, imWasser, in der organischen Natur ausgegossene Geist; Gott wirdMensch, der Mensch wird Gott; das Gute und das Böse, der Teufelund der Engel, der Geist und der Leib, machen mit den Eigenschaftenoder Formen verschiedener Existenz nur eine Substanz aus. Umalso dem Gedanken eine fassliche Form zn geben, ist eine Intelligenznöthig, welche mit philosophischen Abstraktionen zu spielen gewohnt ist.Nun gibt es aber in Genf unter den Libertinern Niemanden, der sichje in seinem Leben mit ähnlichen Speculativnen abgegeben hätte. DerLibertiner würde längst ausgetreten sein, wenn er dieses System gefun-den hätte: wir wären ihm beim ersten Auftreten der Reformation be-gegnet, er würde sich mit dem katholischen Priester in einen Disputeingelassen haben. Farel war aber der Einzige, welcher bei den theo-logischen Disputationen erschien. Calvin suchte also in dem Bucheeines Mannes, den er verbrennen lassen musste, ein System, dasseine Feinde beschimpfen sollte, von dem sie aber gar keine Kenntnisshatten.*) Wenn man nun aber durchaus behaupten wollte, er habe
1) Sieht das Kapitel: „Michael Servetus."