Calvin, Abel Paupin und Michael Cop, nannten die Libertiner,nämlich die Liberalen jener Epoche „Galgenstricke, Lumpenkerls, Gassen-kehricht und Hunde; ihre Weiber und Schwestern H , den Kaiserihren Herrn, Geschmeiß, ihre Eltern Teufelsanhang." „WährendCalvin seine Feinde in dieser Wachtstubensprache schimpfte, war es denBauern nicht gestattet," fügt derselbe Schriftsteller hinzu, „daß sie mitihren Dchsen unfreundlich sprachen. Ein Pächter, welcher gegen seinPfluggespann geflucht hatte, weil es nicht vorwärts gehen wollte, wurdesogleich von zwei Flüchtlingen, die ihn von einer Hecke aus, hinterwelcher sie verborgen waren, gehört hatten, in die Stadt geführt."
Die Stadt war voll Spionen, welche dem Consistorium die Lä-sterungen, Schwüre und ausgelassenen Reden hinterbrachten, welche siegehört hatten. Eines Tages rief ein Maurer, welcher vor Müdigkeitniedergesunken war, aus: „Diese Arbeit und der Herr der sie vonmir verlangte, sollen des Teufels sein!" Er wurde vor das Consistoriumgeführt und auf drei Tage zur Kerkerstrafe verurtheilt.
Unter die Zahl der Lästerer hatte Calvin auch Diejenigen gesetzt,welche über die französischen Flüchtlinge spotteten, die er als Märtyrerdes Evangeliums angesehen wissen wollte.
Die Spiele mit Karten, Würfeln und Kegeln waren verboten:einen Spieler von Profession stellte man auf den Pranger. Das Kon-sistorium machte aus den unschuldigsten Vergnügungen ein Verbrechen,und ließ junge Leute, welche am Tage der heiligen drei Könige Bohnen-könig gespielt hatten, nicht zur Kommunion gehen.
Der Rath excommunicirte ein Mädchen, welches in einer Abend-gesellschaft Männerkleiver angezogen hatte, ebenso ihre Mutter, welchediese Verkleidung zuließ. Er verbannte eine Frau, welche weltliche Lie-der auf geistliche Melodien gesungen hatte, und ließ einen Mann insGefängnis; setzen, bei welchem man die Erzählungen Poggio's gefundenhatte; er verdammte den „Amadis de Gaule", weil „Mehrere diesesBuch lesen, obwohl es nur ungezogene und verderbliche Dinge ent-halte" und später ließ er Heinrich Estienne gefangen setzen, weil er einBuch voll verderblicher und eines Christen unwürdiger Dinge druckte,und weil er sich an Herrn von Beza vergangen hatte, der ihm denMißbrauch vorwarf, welchen er von seinen Talenten und seinem schlech-ten Rufe machte, da er gewöhnlich der Pantagruel Genfs und der
1) Cslillo, kretaee, p. XIX, t. I.
2) Id., p. XXV, XXVI.
3) kogislres, 13. insrs 1559.