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„Eine feste Burg ist unser Gott," das man jetzt noch in Deutschlandhört, wie Lei Luther's Einzug in Worms. Man darf aber nickt ver-gessen, daß der Katholicismus schon vorher diese Lieder hatte, unddaß schon lange zuvor die Mädchen jenen alten, poesiereichen Weih-nachtsgesang anstimmten:
„Ein Kindlein so löbelich
Ist uns geboren heute."')
Die deutsche Sprache fügt sich auf eine bewunderungswürdigeWeise dem dramatischen oder melodischen Ausdruck an. Der RythmusLuther's war edel, ernst, leichtfaßlich und verfehlte nie seinen Eindruckauf das Ohr. Meyerbeer entlehnte für seine Hugenotten bei demSachsen eine Melodie von großer Schönheit. Calvin glaubte den Mönchvon Wittemberg nachahmen zu können; bedachte aber nicht, daß dieSprache, die er sprach, auf einer zu niedern Stufe stand, und daßsie bald das Loos der lateinischen erfahren, ja, daß sie bald, wasnoch schlimmer war, damit enden sollte, daß sie nicht einmal mehr vonGebildeten verstanden wurde.
Marot hatte auf Antrieb des Theologen Vatablus einige Psalmenin die Volkssprache übersetzt. Die Arbeit des Kammerdieners des Kö-nigs Franz l. fand großen Beifall. Beza erzählt uns in seinerKirchengeschichte von dem Eindruck, den diese rythmische Neuigkeit aufDiejenigen ausübte, die sie zum erstenmale hörten.
„Es geschah, daß einige auf der Wiese der Geistlichen, dem öffent-lichen Universitätsplatze, die Psalmen anstimmten; als man dieseshörte, schloß sich eine große Anzahl Derjenigen, welche vorübergingen,oder verschiedene Spiele machten, dieser Musik an, die Emen derNeuheit wegen, die Andern, um mit Denen zu singen, die den Gesangangestimmt hatten. Dich geschah mehrere Tage nacheinander, bei sehrgroßem Zulauf, wobei sich auch der König von Navarra selbst mitmehreren hohen Herren und Edelleuten, sowohl Franzosen als Frem-den , einfanden und mitsangcn. Obwohl sich bei einer so großen Mengegerne eine Störung ergibt, fand hier immer eine solche Uebereinjtim-mung und Achtung statt, daß jeder Anwesende darüber erfreut war.Man sah Leute, die nicht singen konnten und selbst die Unwistendstenauf die Mauern und umliegenden Orte steigen, um dem Gesänge zuzu-
t) Die sächsische Kirche gibt zu. daß die katholische Kirche vor ihr Gesänge inder Volkssprache hatte. Man vergleiche das Gesangbuch, welches 1707 inLeipzig herauskam. Seite 36.