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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
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Calvin die Hände aus und sprach:Die Gnade Gottes des Vaters,der Friede unsers Herrn Jesu Christi und die Mittheilung des heiligenGeistes bleiben bei euch ewiglich." Bei der Kommunion sagte er:Der Herr segne euch und bewahre euch. Der Herr lasse sein An-gesicht über euch leuchten, und sei euch geneigt. Der Herr wende seinAngesicht zu euch und erhalte euch im Wohlergehen."

Man musz Acht haben, daß die Ohren nicht mehr auf dieHarmonie des Liedes, als die Geister auf den geistlichen Sinn derWorte gerichtet seien. Die Gesänge und Melodien, welche nur zumVergnügen der Ohren componirt sind, wie alle Tänze und Triller desPapstthums, und Alles, was sie gebrochene, vierstimmige Musik nennen,eignen sich durchaus nicht für die Majestät der Kirche und es kannnicht anders sein, als daß sie Gott höchlich mißfallen"?) Diese ästthe-tische Ansicht veranlaßte Calvin, den Gebrauch des lateinischen Gesangsaus seiner neuen Liturgie zu verbannen. Von diesem Tage an hörtedie Seele, welche von Kindheit an nach den Accorden der ersten Kircheeingewiegt worden war, nicht mehr jene Hymnen, Lieder und Klage-gesänge, jene Schätze der Poesie, deren Macht das Wesen des Refor-mators nicht zu begreifen vermochte.

Erasmus, welcher in Deutschland die Zerstörung des einheimischenKultus mit angesehen hatte, machte es Luther zum bittern Vorwurf,daß er jenesLtabat Unter" abgeschafft habe, welches bis zu Thränenrührt, jenesTo Denn, lauckamus," welches wie eine Kriegshymnebegeistert, und jenesI'nngo lingun," dessen feierliche Harmonie dasGeheimniß vor Augen zu stellen scheint, welches sie feiert, und jeneKlagelieder in der Charwoche, in denen der Prophet seine Seufzerausstößt. In Sachsen hatte Luther bei den christlichen Familien eineMenge jener einfach natürlichen Gesänge vorgefunden, welche dasVolk am Abende und Morgen, oder an den Tagen der Vorfeier hoherKirchenseste sang und ihre alten Melodien aufbewahrte. Die säch-sischen Puritaner wollten diese katholischen Melodien wie unsere Kreuze,Statuen und Bilder zerstören; aber Luther achtete glücklicherweise nichtauf sie.Ich bin nicht der Meinung," sagte er,daß durch dasEvangelium sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden,sondern ich wollte alle Künste, sonderlich die Musica gerne sehenim Dienste Des, der sie gegeben und erschaffen hat."^) Er com-ponirte Gesänge, welche bald volksthümlich wurden, wie das Lied:

t) Inst. Uv. III. cb. 20. §. 23.

2) Vorrede zu den geistlichen Liedern.