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Zweiter Band (1844)
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besuchen, um ihm seine Leiden, seine Schmerzen, seine Thränen dar-zubringen.

Er hatte diese sckönen Zeilen des Thomas von Kempis nicht ge-lesen:Da Jemand oftmals ängstlich zwischen Furcht und Hoffnungschwebte, und einmal von Kummer verzehrt in der Kirche vor einemAltar im Gebete sich hingeworfen hatte, erwog er dieses bei sich undsprach: O wenn ich wüßte, daß ich bis an's End ausharren würde!Und er hörte sogleich in seinem Innern die göttliche Antwort:Wenndu dieses wüßtest, was würdest du thun? Thue jetzt, was du dannthun wolltest, und du wirst vollkommen ruhig werden/")

Der Unglückliche war getröstet.

Wenn der Reformator die Nachfolge Christi gekannt hätte, würdeer wohl die Thore seines Tempels verschlossen haben?

Die Reformation verbannt, Gott sei Dank, heut zu Tage dieBilder nicht mehr: sie möchte das Kreuz, welches die Art seiner erstenApostel zertrümmerte, wieder errichten; und bisweilen entschlüpfendemMunde ihrer Verehrer Lobeslieder, die wir mit Freuden wiederholen.

Höret!

Es wird wahrscheinlich ein neuer Geist und der Sieg des christ-lichen Gefühls in den reformirten Kirchen das Kreuz als Symbol wie-derherstellen, und nicht nur an heiliger Stätte, sondern auch am Wegeund auf hohem Gebirge, wo es der Wanderer, der Landmann imVorübergehen, aus der Ferne begrüßt und sein Gebet verrichtet. Wa-rum, wenn die Schöpfung uns Gottes Herrlichkeit verkündigt, soll nichtdieß Zeichen uns auch an seine Liebe und unsere Erlösung vom Fluchder Sünde erinnern? Wer die Natur in ihrer Pracht sieht, glaubtgern, daß der Mensch im Paradies wandelt, vergißt, daß zugleich einFluch auf der Erde ruht und daß die Schöpfung mit dem Menschengesunken ist, eine Idee, die auch von Calvin ausgesprochen wird unddie Wesley bewegte. In dem Zeichen des Kreuzes erkennen wir aberdie lange Leidensgeschichte des Menschen, das ihm dargebotene Heil unddas trübe Geheimniß seines Lebens, welches der Glaube allein zu lösenvermag/")

Gott segne und erleuchte den, der diese Zeilen geschrieben!

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1) läb, I c, 25. §. 2.

2) Paul Henry, Calvins Leben Bd. II. S. 158, 159.