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Zweiter Band (1844)
Entstehung
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Bitdniß des Erlösers oder des Stadtpatrons: es findet nicht einmalmehr das glorreiche Zeichen des christlichen Glaubens, jenes Kreuz,an welchem sich das Geheimnis unserer Erlösung erfüllte. Vor derReformation erhob sich sonst das Kreuz wie ein Leuchtthurm auf denGott geweihten Gebäuden; der ermüdete Wanderer verdoppelte seineSchritte, wenn er es in der Ferne sah, und empfahl sich dem Gott-menschen, der dieses Zeichen mit seinem Blute bespritzt hatte; er grüßtees, wenn er weiterging, mit seinem Morgengebete, und wenn er sichverirrte, wenn ihn Hunger oder Kälte überfiel, athmete sein Herz wiederauf, sobald er cs auf der Hütte des Armen gewahrte. Er klopfte an,weil er gewiß wußte, daß die Thüre sich öffnen, ein Christ heraus-treten, und zu ihm sagen werde:Komm herein, mein Bruder, duhast Hunger, ich will dir Brod geben; du hast Durst, ich will dir zutrinken geben; es friert dich, ich will deine Glieder erwärmen."

Man trifft bei unfern mittelalterlichen Schriftstellern Scenen vonunbeschreiblicher Poesie, in welchen die Macht der Schilderung über allemenschliche Vorstellungen geht.

Eines Tages erging sich Erasmus in den Bergen des Jura; erwurde von einem schauerlichen Gewitter überfallen. Als er seine Augenerhob, sah er ein Kreuz, welches auf eine Felsenwand gehauen undmit der Inschrift des Textes umschrieben war:8porst anima menin Domino." Der halb zertrümmerte Felsen bildete einen außerordent-lich großen Bogen, unter welchem sich der Philosoph verbergen konnte.Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, ging Erasmus nach Basel zurück;er hatte aber, wie er sagt, seine philosophischen Speculationen, Lutherund das Geräusch des Lebens vergessen: sein Gedanke hing an demKreuze, an dem Zeichen, welches die Welt aus den Finsternissen desHeidenthums befreit hatte.

Der alte Geschichtschreiber Tschudi hat ein schönes Blatt in seinerGeschichte, welches Alles übertrifft, was sich Stcuben der Maler,und Rossini der Musiker vorstellen konnten: cs ist das Blatt, auf wel-chem er uns die drei Befreier schildert, welche auf die Kreuzform ihrerSchwerter schwuren, daß sie ihr Vaterland vom Joche Geßlers be-freien wollten.

Calvin verbannte aus seiner Kirche Alles, was einem Symboleoder Bilde glich. Woran soll man den Zufluchtsort des Gebetes nunerkennen? Calvin verschließt während der ganzen Woche seinen Tem-pel, und öffnet ihn nur, wenn der Pastor kommen soll. So verlorsich die fromme Gewohnheit, nach der Arbeit das Haus Gottes zuAudin: «eben Calvin's >s Bi-. 5