alter die Zufluchtsstätten der Wissenschaften waren; daß die Zierdendes Protestantismus, Luther, Melanchthon, Bucer, Bullinger, inden Klöstern den Geschmack für weltliche Gelehrsamkeit schöpften.„Die Mönche," sagt der protestantische Geschichtschreiber Maltet, „be-sänftigten durch die Verbreitung des Geschmacks an den Wissenschaftendie Sitten der Völker, und stemmten ihren Einfluß dem Despotismusdes Adels entgegen, der keine andere Beschäftigung kannte, als dasKriegshandwerk. Das Volk wünschte sich keine andern Richter. Esgab ein altes Sprichwort, welches hieß: „Besser unter dem Krummstabals unter dem Scepter."*) Calvin hatte sein Leben im Kampfe derRede noch nicht kennen gelernt, sonst hätte er gewußt, daß es der Seele oftzum Bedürfnisse wird, sich von den Unruhendes thätigen Lebens loszurei-ßen, um den Herrn in der Einsamkeit zu suchen. Melanchthon, der vondem Geräusche der unruhigen Welt ermüdet war, wünschte sich vorseinem Tode diese süße Stille, in welcher sich Gott den Auserwähltenoffenbaret. Der anglikanische Bischof Leigthon hält es für ein Nebel,daß die Menschheit den Verfall der Klöster der Reformation zuschrei-ben konnte?)
K) D as Kreuz.
Der Glaube, sagte Heinroth, ist der Flügel, welcher das Ge-schöpf zu Gott empor trägt; das Wunder ist der Flügel, auf welchemGott herabsteigt und sich dem Geschöpfe mittheilt. ^) Wie kommt es,daß Calvin, mitten in alldem Lichtglanze, den Schatten, dem Grünenund Blühen, den wahren Wundern, welche sich an einem Sommertageum Genf ausbreiten, als eine Regel sestsetzte, man müsse aus demGottesdienste Alles verbannen, was die Einbildungskraft ansprechenkönnte! Wenn aber die Seele schon beim Anblicke der Wunder der Schö-pfung gerührt wird, wozu dann unser prachtvoller Cultus, die Stimmeunserer Leviten, der Gesang unserer Priester, die Klänge unserer Or-geln, der milde Wohlgeruch unseres Weihrauchs: ziehen sie nicht dieGedanken von der Betrachtung Gottes ab? Wenn der Dichter imHerzen Margaretha's das Gefühl des Unendlichen erwecken will, läßter in der Ferne junge Mädchen einen Chor anstimmen. Calvin hatdas Gotteshaus geplündert: vergebens sucht das Auge in ihm das
1) Ilistoire Oe I» 8»isse, S. I. p. 105.
2) Via Oe >Ve8>e;', pnr 8outtiev, T. 1, p. 274
3) Heinroth, s. Schriften.