die Tiare, die sich vemüthigte. Der Papst trägt keine Krone mehr,es ist ein armseliger Sünder, der hier kniet, um Gnade und Erbar-mung zu erflehen: Der Stellvertreter Jesu Christi ist der arme Kapu-ziner, welcher Denjenigen in seinen Händen hält, vor welchem dieEngel und Heerschaaren des Himmels erbeben.
Die Wegzehrung.
Der Gläubige ist krank geworden, er leidet: es tritt ein Tag ein,an welchem sich die Kunst des Arztes für unvermögend erklärt, vordem Tode zu schützen. Da bittet der Kranke, der unterrichtet ist, das;die letzte Stunde nahe, um die heilige Wegzehrung. Auf dem Landeertönt bei den Katholiken die Glocke: balv erscheint ein Priester, vordem ein Chorknabe geht. Der Priester trägt in seinen Händen dasBrod der Engel, die letzte Nahrung des Sterbenden. Beim Anblickedes heiligen Gefäßes, welches den Leib eines Gottes umschließt, knieendie Dorfbewohner nieder und beten für ihren kranken Bruder. DerKranke sitzt auf seinem Bette und erwartet mit süßer Ungeduld denBesuch seines Gottes. Wir fragen alle Diejenigen, welche dieserKommunion vor den Thoren des Grabes beiwohnten, ob ihr Herznicht gerührt wurde, als der Priester, nachdem er die Füße des Kran-ken, die von einem Kinde liebreich aufgedeckt wurden, mit dem heiligenOele gesalbt hatte, dem Sterbenden den Leib des menschgewordenenGottes darreichte und sprach: Corpus Domini nostri ckesu Lbrislieustoälst ani'mnm kuam in vitam notsrnam! Der Priester hatseinen Auftrag noch nicht vollendet; wenn die Seele des Sterbendenden letzten Segen empfangen hat, sagt er ihr noch das letzte Lebewohl:So ziehe denn hin christliche Seele; prolieiseers, »nima cliriskians.
Allen Seelen, welche dürsten, hungern, leiden, und sich nach derEwigkeit sehnen, versagte Calvin anfänglich den Leib Jesu Christi zurletzten Wegzehrung. Der Lutheraner Kemnitz sagte zu den Calvini-sten: harte, unbarmherzige Seelen, die ihr das Heilmittel des LeibesJesu Christi verweigert; der heilige Augustin hat nicht gethan wie ihr:er ermahnt die Kranken, diese heilige Wegzehrung zeitlich zu empfan-gen. Der heilige Dionysius hat dich gerichtet, o Calvin, da ersagt, „deine Kranken werden durch dich um ein großes Gut gebracht,da du sie der Mittheilung des heiligen Mahles beraubst."
Die Reformation beruft sich unablässig auf die Reinheit der erstenZeiten; aber die katholische Kirche hat diese Reinheit bewahrt. Sagtuns der heilige Clemens nicht, daß es eine alte Sitte sei, das übriggebliebene Brod der Engel zu sammeln, um es zu den Sterbenden zu