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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
39
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Das Priesterthum Luthers unterscheidet sich wesentlich von dem Prie-sterthume Calvins. Luther betrachtet jeden Christen als einen Priester;die katholische Priesterweihe ist in seinen Augen nichts als eine satanischeMummerei:könne man doch jeder Sau das Haar abscheeren und einemjeden Klotze ein Gewand anziehen." Calvin hält das Predigtamt süreine göttliche Einrichtung. Er nimmt eine zweifache Berufung an,eine innere und eine äußere, deren Vereinigung unerläßlich ist zur Be-gründung der priesterlichen Sendung. Die Genfer Schule, die heut zuTage in Herrn Vinet von Lausanne so glänzend repräsentirt ist, hatdie Ausdrücke und den Gedanken geändert: sie unterscheivet eine un-mittelbare Sendung, wie jene, welche die Apostel von Christus cmpfien-gen und eine mittelbare, wie jene, welche die Apostel ihren Nachfolgernertheilten. Man sieht, daß sie nicht nur die Worte, sondern auchdas Symbol geändert haben. In dem Systeme Calvins hat die innereSendung keine Prüfung nöthig, sie entströmt gänzlich der Persönlichkeitdes Kandidaten, welcher seine Berufung auf eine innere Gnade gründet,oder solchen Prüfungen, über die man nicht discutiren kann. Es bleibtalso die äußere Sendung oder ordentliche Berufung.

Luther hatte zuerst von seinem Bischöfe die ordentliche Sendungerhalten; als ihm aber Johann von Lasphe im Jahre 1507^) dieHände auflegte, versprach der Neophite das zu lehren, was die katho-lische Kirche lehrte: wir wissen, wie er seinen Eid achtete. Die Voll-macht war doch widerruflich; wäre er ein Engel des Himmels gewesen,er hätte nichts hinzufügen, nichts ändern können an dem Evangelium,welches er zu verkünden beauftragt war.

Calvin kann sich der ordentlichen Sendung, welche dem Lutherertheilt war, nicht rühmen; denn er war nie Priester: innere Berufungund äußere Sendung, Alles hat er sich selbst beigelegt.

Bossuet hat die Eitelkeit der reformatorischen Grundsätze in Betreffdes heiligen Predigtamtes mit keiner so schlagenden Logik dargethan,als Herr Ernst Naville in den Thesen, die er neulich in Genf veröffent-lichte. Er ist ein unabhängiger Denker, den wir mit Freuden hieranführen.

Der Besitz der Gnade kann nur mit einer dogmatischen Autorität

1) An die böhmischen Brüder. Möhler. S. 412.

2) Ksrrsteur religieux. Ko. 139.

3) Reform. Alm.

4) 8e6 licet nos, sut angelus äe coelo evangeliret vobjz prseterquamguock evangelirsviinus vodis, siratbema sit. (Cal. I. 8.)