Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

den Ausdruck zu prüfen, gemäß der freien Forschung, deren Principer angerühmt hat; wenn er mir zu beweisen sucht, daß dieser Ausdruckder reine Wiederschein des heiligen Wortes sei, ist es mir erlaubt,mit ihm über den grammatischen oder figürlichen Werth desselben zudisputiren; wenn er mir seine Erklärung oder seine Bilder aufdrängenwill, maßt er sich eine Autorität und einen unbilligen Uebermuth an;denn wer hat ihm gesagt, daß ich nicht eben so wohl in orientalischenSprachen bewandert sei, als er? Ich verstehe die syrische Spracheund er versteht sie nicht; die hebräische hat er nur unvollkommen ver-standen, und in Betreff der griechischen gesteht ihm Richard Simonnur ganz gewöhnliche Kenntnisse zu. Ich habe das gelobte Land be-sucht, um die heilige Schrift zu verstehen; er hat es nie gesehen.Warum soll ich also meine Einsicht der seinen unterordnen? Es gibtgegenwärtig hier nur zwei Einheiten. Wer kann ihren Werth bemes-sen? Wenn er gebetet hat, habe ich auch gebetet. Wie weiß er,daß er vom Himmel eine höhere Erleuchtung empfangen habe? Wenner auch weiser wäre, als ich; sieht denn Gott auf die höhere Stuft derEinsicht, wenn er seine Auserwählten besucht? Wenn Calvin sich auf dieKlarheit der Schriftstelle berufen will, sage ich ihm mit Luther, daßman mit Christus und den Aposteln gelebt haben müsse, um die Schriftzu verstehen. Ich werde ihm auch die Worte zeigen, welche derDoctor in heimlichem Vertrauen ganz leise zu seiner Frau gesagt hat;daß Philipp Melanchthon nämlich verschiedene Ausdrücke der heiligenSchrift nicht verstanden habe.

In welcher Sprache redet aber Calvin mit mir ? In einer Sprache,welche altert wie der Reformator.

Den ersten Vers eines Psalms übersetzte er: Glücklich ist der Mensch,welcher nicht wandelt im Rathe der Gottlosen.

Vor ihm hatte ein Anderer gesagt: Glücklich ist der Mensch, dernicht in den Rath der Thoren ging.

Hier sind Ausdrücke und Gedanken, die sich nicht gleichen. Inder Uebersetzung Calvins geht der Mensch den Weg der Sünde undsetzt seinen Weg fort; in der Uebersetzung des Ungenannten ist der Menschstehen geblieben; er ist gegangen, und hat dann Halt gemacht.

Calvin fährt weiter fort: Und er setzte sich nicht auf die Bankder Spötter.

1) Tisch-Reden. 1'. 4.

S) M. Philippus magst du sagen, daß er seine Postill corrigire, denn er hat nichtverstanden, warumb der Herr im Evangelio die Rcichthumb Dornen nennt.An seine Hausfrau, 6. Fcbr. 1546. I>. de Wette, Bd. V. p 780.