Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
31
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fürchtet, werdet ihr vor Gott zum Spotte werden; fürchtet ihr aberGott, so werdet ihr den Menschen selbst ehrwürdig sein. Was sollenmich die Könige schrecken? Wir haben hier eine größere Macht. Ichwürde lieber meinen Leib dem Tode preisgeben, und mein Blut ver-gießen sehen, als ein solches Aergerniß dulden!"

Das Diadem kann die Stirne der Könige nicht schützen vordem Blitze der Kirche. Neiget euere Häupter, ihr Könige, und demü-thiget euch vor dem Herren Christus, dem Könige der Könige. Deutetes nicht übel, wenn die Kirche euch richtet. Weil ihr an euern Höfennur Schmeichelworte höret, bedürfet ihr mehr als Andere von Gottzurecht gewiesen zu werden durch den Mund seiner Stellvertreter!Ja ihr müßt es selbst wünschen, daß die Priester euch nicht verschonen,damit Gott später mehr Schonung mit euch habe."

Luther hatte sich anfänglich eine unabhängige christliche Gesell-schaft gedacht, in welcher jedes Mitglied, ähnlich dem Kinde, welches

1) Folgendes ist die Ercommunicationsformcl, welche lange Zeit in Frankreich undGenf im Gebrauche war:

Meine Brüder! Nachdem wir den N. so lange geduldet, gebeten, er-mahnt und beschworen haben, er möchte sich zn Gott bekehren, verharrt erhartnäckig in seiner Unbußfertigkcit, erhebt sich gegen Gott, tritt sein Wortund die Ordnung, die er in seiner Kirche festgestellt hat, niit Füßen, rühmtsich seiner Verworfenheit und ist Ursache, daß die Kirche seit langer Zeitbeunruhigt, der Name Gottes gelästert wird. Wir Diener des Wortes Got-tes, die wir bewaffnet sind mit den Waffen des Geistes und von Gott dieMacht haben, die Mächte die sich ihm entgegenstelle», zu zerstören; wir, denender ewige Sohn Gottes die Gewalt gegeben hat, ans Erden zn binden undzu lösen, indem er sagte, daß Alles, was wir auf Erden gebunden haben,im Himmel gebunden sein soll; wir wollen das Haus Gottes reinigen, dieKirche von Acrgerniffcn befreien, und den Namen Gottes verherrliche», indemwir den Fluch gegen den Elenden aussvrcchcn: im Namen und aus VollmachtJesu Christi unseres Herrn, auf Geheiß und aus Vollmacht der Pastoren undAeltesten, die in der Bcrathung versammelt sind, dann des Conststoriumsdieser Kirche: haben wir den genannten N. von der Gemeinschaft der Kircheausgeschicden und scheiden ihn noch aus, wir ereomuniciren ihn, und verstoße»ihn aus der Gemeinschaft der Gläubigen, er soll euch sein wie ein Heide undZöllner, verabscheut und verflucht unter den wahre» Gläubigen, der Umgangmit ihm soll wie der mit einem Pestkranken geflohen werden, er soll euch alsein schreckliches Beispiel gelten und euch zittern machen vor der mächtigenHand Gottes, weil cs schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zufallen. Diese» Spruch der Ercomunication wird der Sobn Gottes gutheißenund wird ihn wirksam erhalte», bis dieser Sünder beschämt und bestürzt, Gottdie Ehre wieder gibt durch seine Bekehrung, und bis er befreit von den Ban-den des Satans, die ihn fesseln, seine Sünde beweint in Thräncn der Buße.Bittet Gott, geliebteste Brüder, daß er Barmherzigkeit übe an diesem armenSünder, und daß das schreckliche Urtheil, welches wir ungcrne und mit großerBctrübniß unseres Herzens gegen ihn aus Vollmacht des Sohnes Gottesaussprechcn, dazu diene, daß sich seine Seele demüthige und auf den Weg desHeils zurückkchre, von dem sie sich entfernt hat. Amen. Verflucht ist derjenige,wer das Werk Gottes fahrläßig übt. Wenn einer den Herrn Christus nichtliebt, sei er verflucht. Maranatha Amen."