„Die Kirche hat das Recht kirchliche Ordnungen einzusetzen, dieOrdnung des Gottesdienstes und der Ceremonien; sie darf aber durchkeine Gesetze die Gewissen drücken: das Gewissen ist sowohl über bür-gerliche als kirchliche Gesetze erhaben; es gibt keinen andern Gesetzgeberals Gott."
„Die Kirche ist eine geistige Regierung und Ordnung, und hatauf dem geistigen Gebiete zu thun, was der Staat auf dem weltlichenzu thun hat. Ihr ist die Gewalt der Schlüssel gegeben; dieser Gewaltentspringen die Rechte der Lehre, des Predigtamts, der Sündenver-gebung und der Ercommunication, sie löst und bindet; ihre Gerichts-barkeit ist aber ganz geistig; sie hat nicht das Recht des Schwertes;sie kann keine körperlichen Strafen auflegen, Geldbußen, Gefängnißoder Verbannung. Wenn die Censur, von welcher sie Gebrauch macht,gesetzlich sein soll, muß sie durch eine gesetzliche Versammlung, nichtdurch ein einzelnes Individuum ausgesprochen sein."
„Die Excomunication ist unter allen Strafen, von welchen dieKirche Gebrauch machen darf, die größte."
Calvin erklärt dieses Recht im vierten Buche der christlichenUnterweisung.
„Ohne Zucht kann keine Familie, noch weniger die Kirchebestehen. Wie die Lehre Christi die Seele der Kirche ist, so ist dieDisciplin, was die Nerven sind, welche die Glieder verbinden undjedes in der Ordnung erhalten. Was würde daraus werden, wennJeder leben könnte, wie er wollte, ohne Censur? Die Disciplin istwie ein Zaum, oder ein Stachel, oder eine väterliche Ruthe. Dererste Grundstein aller Disciplin ist die Ermahnung; dieß ist die Sacheder Prediger und Nettesten. Wenn Jemand darauf nicht achtet, nach-dem er vor drei Zeugen zum zweiten Male gewarnt worden ist, soller nach dem Befehle Jesu dem Gerichte der Kirche übergeben werden:(Matth. 18, 15, 16.), von diesem wird er öffentlich gewarnt undzurechtgewiesen. Wirkt die Warnung nicht, so joll er aus der Gesell-schaft und Kirche der Gläubigen verbannt werden. (Matth. 18, 17.)Wenn es sich aber um Verbrechen handelt, muß man strenger ver-fahren, wie Paulus den Frevler ercommunicirte nach Gottes Gebot.(I. Kor. 5, 4 5.) Wenn das Volk die Sacramente mißbraucht,muß der Geistliche mit dem größten Ernste einschreiten. Der Haupt-zweck der Disciplin ist, daß Gott nicht im Abendmahle geschändetwerde. Chrysostomus tadelte die Priester, welche die Reichen nicht vomheiligen Tische entfernen wollten. „Dieß Blut" sagt er, wird voneueren Händen wieder gefordert werden; wenn ihr die Menschen