einen Spartaner zu hören, der sich nur von schwarzen Brodsuppennährt. Höret selbst den Redner: seine Anklagen sind unbestimmt, seineAngriffe schwächlich und unschlüssig; man sieht wohl, daß er keine Lä-sterungen gegen das Evangelium, keine Aergernisse gegen die Sittlich-keit, keine Ausdrücke gegen die Schamhaftigkeit anzuklagen hat.
„Welche ausgelassenen Reden hört man dort?" sagt er. „Woman essen sollte, als wenn Gott gegenwärtig wäre, und wo man sichfreuen sollte wie in Gesellschaft seiner Engel, da beschäftigt man sichmit eitlen Dingen, welche die Menschen so ganz einnehmen, daß esscheint, sie könnten keine gute Mahlzeit halten, ohne daß sie sich irgend-wie belustigen: ich sage dieß selbst von den Guten. Wenn es sich umdie Anordnung eines Gelages handelt, womit beginnt man? Vielleichtmit der Anrufung des Namens Gottes? O, das würde der Sacheein trauriges Ansehen geben: es ist also nothwendig, daß der NameGottes ferne bleibe; denn wenn man an Gott denkt, ist es, als wennall ihre Tafelfreuden in Leiden verkehrt würden; von Nichts handeltes sich da, als daß man Verleumdungen und Nachreden ausspricht;Nichts befriedigt die Neugierde, als wenn man den Nächsten verklei-nert, gegen Diesen oder Jene Böses anspinnt. Das ist es, was durchdiese Zusammenkünfte gewonnen wird. Seitdem die Menschen nun sosehr zum Laster geneigt sind, ist es nicht mehr möglich, daß es ohneSchuld abgeht, und daß sie nicht alle Zügel fahren lassen. Ich frageAlle, die sich mit solcher Bosheit und Verrätherei versammeln, obnicht ein wahrer Abgrund der Hölle sei, wo sie sind?"
Die Lobredner Calvins erklärten diese Aufwallungen einer kränk-lichen Organisation für eine evangelische Hitze; diese entstrahlte abermehr dem Gehirne als dem Herzen. Man muß sich nämlich wohlhüten, sich dabei auf die Declamationen zu beziehen, welche gegendie katholischen Sitten zur Ankunft Luthers ausgesprochen wurden, aufdie Wirthshausergüsse, welche bei den Bierkannen zu Tage kamen, beiNonnen, welche dem Kloster entronnen waren, und bei Mönchen, wel-che von dem alten Testamente nur die drei Worte kannten: „Crsseit«et multiplicamini." Der Franciscanermönch, welcher nach Calvins
1) 8ermoii sur In ldi.
2) Um Aufschluß über den sittlichen Zustand nach den- Triumphe der Reformationzu erhalten, kann man verschiedene Postillen Luther's zu Rathe ziehen, wiejene auf den ersten und zweiten Adventscnntag; ferner: Zlelanclltllon. Lg.lib. lV. — tiupita, ep. sck I^rrllum ; — SurriM, üistoire cke Is kelor-mution, p. 2; — iVlotits (tos llonnss selioas; pur Stubbs, Lonckres.1596; — und die Schrift: „Die römische Kirche gegen die Angriffe des Pro-testantismus vertheidigt." 8. 225 — 233.