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leicht erregbaren Charakter, mit einer glühenden Vaterlandsliebe, miteinem zur Empörung geneigten Stolze, wie wir sie schon geschilderthaben. Der Libertiner ist der National-Typus in seinem reinsten Aus-drucke: Genfer, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang arbeit-sam, nüchtern und besonnen; Franzose, vom Anbruche der Nacht biszum Löschen des Lichtes geschwätzig, verleumderisch, spöttisch über alleVorgesetzte, Wechselleutc, Adeliche, Prediger und besonders über ihreFrauen. Wenn man die Register dieser Epoche durchblättert und einenBürger findet, welcher durch einen Rathsbeschluß einen Verweis erhal-ten hatte, so darf man versichert sein, daß er ein Libertiner war;wenn Genf in seiner Unabhängigkeit bedroht, und Blut vergossen wurde,so ist es gewiß das Blut eines Libertiners, eines unruhigen Kopfes,der immer bereit ist, sich für sein Land zu opfern. Es ist der Patriotis-mus, von dem er so viele Proben gegeben hat, der ihn so kühn macht.Man muß gestehen, daß die gesetzgebende Gewalt Genfs in eine lächer-liche Altklugheit verfiel. Sie strafte mit dem Gefängnisse: eine Frau,welche ihre Haare all zu gefallsüchtig aufgeputzt hatte; die Dienerin,die ihr sie geflochten hatte; den Kaufmann, welcher mit Karten spielte;einen Bauern, welcher seine Ochsen mit zu heftigen Worten anfuhr;einen Bürger, der zur bestimmten Stunde seine Lampe nicht ausgelöschthatte. Genf glich am Ende einer Schule, welche von einem gräm-lichen Dorfmagister verwaltet wird.
Die Libertiner äußerten sich in ihren Liedern mit Recht gegeneinen so ausschweifenden Puritanismus, welcher den Charakter derNation ändern wollte. Wir begreifen ihren Zorn über diesen Prädi-kanten von Noyon, welcher die Glückseligkeiten des Familienlebens niegekannt hatte; gegen den undankbaren Sohn, welcher seine üble Launevon Land zu Land getragen hatte, der ohne Zuneigung, ohne Vater-land, ohne Bande des Herzens mit seinen Bannstrahlen die Fröhlich-keit, welche am Feuerherde herrschte, die Ungezwungenheit der Schenke,die rauschenden Freuden im Innern einer Wirtschaft, und sogar vienationalen Gebräuche verfolgen wollte. Krank an einer Engbrüstigkeit,die ihn oft in den Sessel gefesselt hält, reitzt der Lärm auf den Stras-sen oder in den Versammlungen seine Nerven; der Tanz verhindertihn am Schlafe und der Klang der Gläser macht ihm Kopfweh.Die Schilderung der Gelage, bei welchen man sich auf Kosten der mißtraui-schen Politik des Theokraten lustig macht, bei denen man sich überseine näselnde Aussprache, über seine leichenartige Gestalt, über seinenhalberstorbenen Blick, über seine vertrockneten Hände zu lachen erlaubt,tritt uns jeden Augenblick in seinen Reden entgegen. Man glaubt