11
Verbannung mit der größten Gewalt über die Ausschweifungen derKatholiken von der Kanzel herabdonnertc, war gerade jener Bernard,welcher „den Herrn in den Armen seiner Magd" gefunden hatte.
Vor der Reformation war Genf eine christliche, fromme, liebreicheStadt; ihre Priester waren beinahe alle wissenschaftliche, sittsameMänner; ihre Bischöfe Muster der Weisheit und Vaterlandsliebe.Der Protestantismus konnte einem Peter de la Baume, dem letztenKirchenfürsten Genfs, seinen kleinmüthigen Charakter zum Vorwurfemachen, vielleicht auch seine allzu große Vorliebe für das Haus Sa-voyen; aber die Tugendhaftigkeit des Bischofs mußte er anerkanntlassen. Adhemar Fabri war es, welcher die bürgerlichen Freiheitender Stadt vertheidigte. Nach einem Artikel der bischöflichen Chartehatten die Bürger das Recht des Blutgerichts; nach einem andernkonnten sie nicht ohne einen Spruch des Volkes der Tortur unterwor-fen werden; nach einem dritten war die Stadtwache von Sonnenauf-gang bis zu Sonnenuntergang den Bürgern anvertraut, und wederein Herzog, noch ein Bischof, oder eine andere Person konnten in dieserZeit die geringste Gewalt ausüben; nach einem dritten stand den Bür-gern die Wahl des Bürgermeisters zu. Wir werden sehen, wasCalvin aus diesen Freiheiten macht.
In dem Augenblicke, in welchem die Genfer Gesellschaft, die ausso verschiedenen Elementen bestand, sich gehen ließ, ohne der Vergan-genheit zu gedenken, und sich um die Zukunft zu kümmern, kam Gott,und suchte dieselbe heim. Nachdem die Pest Italien und einen Theil Frank-reichs verödet hatte, ließ sie sich an den Ufern des lemanischen Secesnieder. Ein Schrei des Entsetzens ertönte Ln allen Straßen der Han-delsstadt.
„Am 26. Oktober bestiegen die Prediger die Kanzel und verkün-deten, da die christlichen Kirchen durch die Pest sehr bedrängt, undwir verpflichtet sind, für einander zu Gott beten, so wird es gut sein,wenn wir uns mit demüthigcn Bitten zu Gott wenden, und für dieVerbreitung und die Ehre des heiligen Evangeliums bitten; man wirddich am nächsten Sonntag, den 30. Oktober thun und für den fol-genden Sonntag das heilige Abendmahl verkünden. — An einem Tageder Woche wird man mit der großen Glocke läuten, um das Volk zuversammeln, Gott zu bitten, daß cs ihm vermöge seiner Gnade ge-fallen möge, uns zu verschonen, und um die Familienväter in Kennt-
1) Hottinger, Geschichte vcr Kirchen in der Sebwciz. Pretschneid».