und sogar Mediciner vereinten sich, um den Unglücklichen zu plagen.Die Mediciner mischten sich in Eisleben und Jena sogar in die Theo-logie. Es war ihnen nicht genug, daß sie die Leiber tödteten, siewollten auch noch die Seelen tödten. — Luther sagt in seinen Tisch-reden zu den Aerzten, er wolle nichts an ihren Kranken mediciniren,sie sollen ihn auch die seinen allein lehren lassen; Gott werde am Tagedes Gerichts nicht über die Seelen Rechenschaft von ihnen verlangen,sondern über die Leiber, welche sie kraft ihrer Doctordiplome geschnit-ten, geschröpft und gemartert haben. Diese vom Teufel besessenenMediciner hörten aber nicht auf die Stimme des Doctors, sie behan-delten die Bibel mit der Lancette in der Hand wie einen Cadaver.
Einige hatten sich mit so arger Abgeschmacktheit an das louto derEinsetzung des Abendmals gemacht, daß Aurifaber mehrere Tage hin-tereinander darüber lachen mußte. Betrachtet hingegen Calvin in Genf,wie viel glücklicher ist er! Man könnte glauben, die Gesellschaft habesich eigens für ihn gestaltet: zählet die Aerzte, die ihm mit ihrer Ge-schwätzigkeit Eintrag thun könnten; ihr werdet kaum zwei oder dreizu finden vermögen. „Wenn man zu dieser Zeit krank war" sagtHerr Galiffe, „ließ man sich durch Barbiere heilen, welche beinaheimmer auch Chirurge waren, und deßhalb eine Rolle spielten, welchesehr verschieden war von derjenigen, die ihnen heut zu Tage zukömmt."Auf diese Weise war ein Keim zur Opposition weniger vorhanden;
denn wir können nicht glauben, daß Calvin sich vor einem Barbier
fürchtete.
Wenn die verschiedenen Elemente des Genferstaates, wie sie inihrer Eigenthümlichkeit aufgefaßt werden müssen, nichts Drohendes fürCalvin hatten; so muß man doch bei näherer Untersuchung gestehen,daß ihm der öffentliche Geist feindlich war. Seine Verbannung hatteden Zorn des Volkes beschwichtigt; seine Rückkehr wurde durch keinZeichen der Freude begrüßt, unerachtet aller Anstrengung einigerSyndici.
Ein Fremdling in Bezug auf die Einrichtungen der Stadt, dieherkömmliche Verwaltung des Landes und das Leben der Bürger,repräsentirte Calvin nur eine religiöse Meinung, ohne Form und Gestal-tung, eine Meinung, welche die Bevölkerung weniger aus Ueberzeugung,als aus Neigung zur Unabhängigkeit, und in der Absicht angenom-menhatte, durch den Wechsel des Cultus von dem Hause Savoyen los
1) Ostitis, I., introäust., p. 14.