logen das Blut der Schlachtopfer vorzuwerfen; nicht Einer hob einenBrand von dem Scheiterhaufen des Servetus auf, um das Gewanddes Ministers anzuzünden: sie hatten Furcht vor ihm und vielleicht mitRecht. Wer weiß ob sie nicht den Despoten aus dem Schlafe geweckthätten, Calvin, der, weniger geduldig als Luther, anstatt dem Teufelzu rufen, welcher nicht immer Antwort gab, nach dem Henker geschickthätte, der herbeigeeilt wäre, wie zur Hinrichtung Gruet's. DerSchüler von Noyon hatte einen durchdringenderen Blick, als der säch-sische Mönch: Luther las aus dem Angesichte, Calvin aus der Seele.Der Aufenthalt von einigen Monaten in Gens hatte ihm genügt, dieJuristen kennen zu lernen, Seelen, welche an die Genüsse des Lebens,an die Ruhe des Schlafes, an die Vergnügungen der Tafel, an welt-liche Lust gewohnt und bereit waren, Jedem zu gehorchen, der öffent-lich, am Hellen Tage, mit Gewalt auftretcn würde; und Calvin warentschlossen, das Licht zu suchen. Er hätte sich vor einem geschwätzigenSchüler viel mehr gefürchtet, als vor einem Juristen, der von Naturan einen todten Buchstaben gefesselt war, dessen Derständniß sich derReformator Vorbehalten hatte.
Die Sonne der Reformation hatte in Sachsen Myriaden vonDoctoren ausgebrütet, welche sich über das Wort Gottes hergeworfenhatten, um es zu zerstückeln. In Genf war diese Sonne sehr unfrucht-bar geblieben. Calvin selbst übernahm es, uns ein Bild von denPredigern zu entwerfen, welche ihm auf dem evangelischen Lehrstuhlenachgefolgt waren. Der Eine hatte seinen Prädikantenbrief in denArmen einer liederlichen Dirne gefunden; der Andere wechselte die Re-ligion wie eine Schlange ihre Haut; der Dritte konnte kaum lesen:Embryonen von Doctoren, welche Calvin im Nothfalle mit seiner Ferse,oder mit der Spitze seiner Feder zerdrücken würde. Wie oft hatteLuther in Sachsen seinen Weg durch eine Schaar von Theologasternversperrt gesehen, die ihm die Aussicht nehmen wollten! Der Mönchwar genöthigt, sie mit Peitschenhieben zu verjagen. Wenn Einer, wieKarlstadt, mit verwundetem Rücken und Angesicht es wagte, dem DoctorMartin in den Weg zu treten, griff er gleich nach dem Schwerte desChurfürsten und der Unglückliche machte sich davon, um in irgendeinem unbekannten Orte vor Hunger zu sterben. Wie ihr sehet, warCalvin vom Himmel mehr begünstigt. Bei seiner Rückkehr nach Genffand er drei entkuttete Mönch? um sich, die kaum so viel Latein ver-standen, daß man sie als Klosterpfortner gebrauchen konnte. DasTagewerk Luther's brachte ganz andere Bitterkeit mit sich! Päpste,Cardinäle, Könige, Kaiser, Churfürsten, Mönche, Teufel, Juristen