Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

bcnswürdigkcit aufdrücken soll, gab dem deutschen BolkScharaklernur eine gehässige Schwärze und ließ ihn mit blutigen Zügendurch diese Zeil hindurchziehen. So wie in einem Füistenlhumenach dem Willen des Fürsten, oder in einer Reichsstadt nach demWillen des Magistrates ein Bckenntmß zur alleinigen Geltungkam, traf die Bekenner der andern Bekenntnisse der schrecklichsteDruck. Die größten Gräuel, vom Fürsten wie vom gemeinstenManne begangen, waren an der Tagesordnung. Noch immergalt der Name Religionsfreiheit als Vorwand der einen Parte«,um die andern gänzlich zu unterdrücken. Galgen und Scheiter-haufen waren es vorzüglich, wo die Sektenwuth ihre Siegefeierte. Wenn es auch soweit nicht kam, so mußten doch dieAndersgläubigen das Land verlassen oder wenigstens ihre Aemteraufgeben. Der Pöbel auch war manchmal rasch in Ausübungder religiösen Justiz: wenn zufällig Andersgläubige von den re-gierenden Behörden nicht verurtheilt oder ausgewiesen wurden,so ersehte das Volk die Lässigkeit des Gouvernements durch dierohcstcn Exzesse: es beschmuhte ihnen die Häuser, brachte Katzen-musik, zertrümmerte ihnen die Fenster, ließ selbst die Leichen nichtungeschändet, machte die ärgerlichsten Unruhen bei Begräbnissen,verlangte, daß die Leichen unter dem Galgen sollten begrabenwerden. Religion war noch immer das Losungswort; aber answissenschaftlichem Wege der Religion respcctive einem Rcligions-bekenntnissc Geltung zu verschaffen, das verstand man nicht, amwenigsten unter den Protestanten. Wo Schmähen und Schim-pfen, die geschmacklosesten Erzeugnisse blinder Sektenwuth inGeschichtschreibung, Poesie, Malerei, Bildnerei nicht ausreichten,mußte Verfolgung und Grausamkeit aushelfen. Auf katholischerSeite war es zwar nicht so schlimm, seit Bellarmin sich an dieSpitze des religiösen Kampfes gestellt halte und demselben eineedlere Seite abzugewinnen wußte. In seine Fußstapfen tratendie begabtesten Köpfe des Jesuitenordens: aber ihre Arbeitenwurden nicht Allgemeingut; man folgte ihnen nicht in dieserKampsweise, weil selbige mit dem damaligen Zeitgeistc nicht