Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

wurde geschlossen. Nach langem vergeblichem Bitten um Auf-hebung jenes Verbotes setzten sich die Protestanten mit Ernestin Unterhandlung über die Punkte, welche sie zum Zwecke derfreien Uebung zugestehen müßten. Die Bedingungen, von wel-chen Ernest in keiner Weise abzugehen erklärte, stellte er infolgenden sieben Artikeln: 1) Der Prediger muß ein öffentlichesZeugniß seiner Ordination und seinen Berufsbrief vorlegen;2) sich in Haltung der Feiertage der katholischen Nachbarschaftnach conformiren; 3) sich an den Ritus der augsburgischen Con-fession halten, die Messe und alle in der sächsischen Kirche gebräuch-lichen Cäremonien einfuhren; 4) die Privatbcichte annehmen, dieKinder nach dem Inhalte des augsburgischen Katechismus lehren,sich Morgens und Abends mit dem Kreuze zu bezeichnen; 5) keineandern Kinder taufen, keinem andern Erwachsenen das Nachtmahlreichen als den der augsburgischen Confession «»gehörigen; 7)dem Grafen Treue geloben. Ein gewisser Wilhelm Ehrhardsaus Goldbach bot sich als Prediger an und versprach, sich genaunach vorstehenden Punkten richten zu wollen. Dieser Candidargefiel aber der Gemeinde nicht, und die Sache zerschlug sich.Einige Zeit später, 1522, präsentirte sich der Prediger LudwigHalm, welchen die Gemeinde gerne an ihrer Spitze gesehen hätte,dieser ließ sich aber bei einzelnen Bürgern zu bitter gegen denGrafen aus und machte zu viele Einwendungen gegen obigePunkte, so daß Ernest die Anstellung nicht zugab. Endlich suchteErnest selbst einen Prediger aus, von dem er sich die genaueNachachtung der sieben Bedingungen wie die Beförderung derEintracht zwischen Katholiken und Protestanten versprach. Dochdieser konnte wieder die Anerkennung und das Zutrauen der Ge-meinde nicht gewinnen. Es zeigte sich demlich, daß es den Pro-testanten nicht ernst war, sich unbedingt jenen Artikeln zu fügen,und der Graf wollte in keiner Weise Schutz und freie Neligi-onsübung einer Gemeinde zukommen lassen, welche sich nichtmcbr zum augsburgcr Bekenntnisse hielt. Die glaubenseifrigen