Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
223
Einzelbild herunterladen
 

223

scheu diesen ein ähnlicher Streit wie zwischen den lutherisch Ge-sinnten und Philippistcn in Sachsen. Die englischen Ankömm-linge waren reformirt gesinnt und machten gemeinschaftlicheSache mit den dort ansäßigen wallonischen Flüchtlingen. Mitgroßer Bitterkeit traten gegen sie auf und wollten sie der Stadtverwiesen haben Hermann Hollandus und Thomas Plateanus.Es sprachen aber für dieselben Johann EchtiuS, Bommel undNoll. Auch als Hollandus und Bommel wegen Nichtachtungder herzoglichen Verfügungen, betreffend die gottesdienstlichenCäremonien, ihre Stellen hatten verlassen müssen, dauerte derStreit zwischen den übrigen Predigern noch fort. Man konntesich nicht einigen und kam endlich überein, die Sache einer aner-kannten Autorität zur Entscheidung zu übergeben. Diese glaubteman in Melanchthon zu haben, und ihn fragte man um Rath.Sein Votum rieth Duldung gegen die reformirt Gesinnten, undebenso zeigte sich Herzog Wilhelm nachsichtig gegen dieselben.Dies interpretirten Noll und seine Gesinnungsgenossen JohannHeitfeld, Amandus Orccnius und der Bürgermeister TheodorGrovius, als alleinige Billigung ihrer Ansichten und suchten ihrenreformirten Gedanken über Abendmahl, Orgeln, Altäre, Bilder,Chorröcke und Erorcismus bei der Taufe alleinigen Eingang zuverschaffen. Durch allerlei Jntriguen wußte der genannte Bür-germeister die Majorität im Stadtrathe für sich zu gewinnen,und dieser setzte eS durch, daß noch immer mehr calvinisch Ge-sinnte aus Brabant und Belgien aufgenommen wurden. In derSchule wußten sie die calvinischen Ansichten zu Geltung zubringen dadurch, daß sie den calvinisch gesinnten Heinrich Betu-lejus zum Rektor machten und zur- Grundlage für den Religions-unterricht den Heidelberger Katechismus einführten.') So er-hielten die reformirten Ansichten bald allgemeine Geltung, unddie Stadt wurde ganz für das reformirte Bekenntniß gewonnen.Die wenigen übrig gebliebenen Katholiken, deren Religionsübunggänzlich unterdrückt war, schöpften wieder neuen Muth, als die

1) ijÄn>(Mn»uii I>. IUI8 ir.