die Universität noch nicht zu Stande; aber die Privilegien w»rden doch denutzt, um protestantisch gesinnte Lehrer zu besol-den und protestantische Grundsätze bei der Ertheilung ei-nes höheren Unterrichtes in die Herzen der Jugend zu pflan-zen,') Auch an andern Orten fanden sich höhere Lehranstalteneiner ähnlichen Richtung, meist Nektoratschulcn genannt, woevangelisch gesinnte und weltliche Lehrer angestellt waren: so inWesel, Cleve, Elberfeld, Gemarke, Lennep, Solingen, Langen-berg, Camen, Soest, Stolberg, Wickrathberg, Essen u. s. w.Ihrer Stiftung nach waren solche Schulen keine rein protestan-tischen Schulen; allmählich erst wurden sie solche. Ihre ur-sprüngliche Bestimmung ging dahin, die von Erasmus vertretenehumanistische Richtung der Jugend einzubilden. Die weltlichenund protestantisch gesinnten Lehrer und Rektoren solcher Schulentraten ganz in die Fußtapfcn der Humanisten ein und bildetenden Streit der Humanisten gegen die scholastische Theologie auszu einem fortwährenden Streite gegen geistliche Lehrer und Rek-toren und gegen die katholische Geistlichkeit überhaupt. Wennsolcher Streit auch gemäß der vielfachen geistigen Beschränktheitder streitenden Parteien den wissenschaftlichen Standpunkt verlor,so faßte er bald festen Halt in äußern Verhältnissen, Eifersuchtund Eigennutz gaben ihm Nahrung. Die weltlichen Lehrer wareneifersüchtig auf die vielen Privilegien, deren sich die Lehrer desgeistlichen Standes zu erfreuen hatten. Mit innerer Erbitterungwurden sie erfüllt, wenn sie manchen unthätigen Geistlichen imGenüsse der reichlichsten Einkünfte und sich selbst bei fortdauern-der Mühe und Anstrengung im Besitze eines schwachen Stipen-diums sahen. Alle Mittel mußten sie aufbieten wollen, welcheihnen zur Erlangung eines größern Theiles der vielen kirchlichenPfründen behülflich sein konnten, in deren Besitz so viele un-wissenden, unthätigen und unsittlichen geistlichen Pfründner saßen.Durch solche Opposition gegen den Clerus war der Weg zumProtestantismus angebahnt, und für ihn konnte in der nach-
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