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Führern und Leitern noch leichter die Sinnlichkeit zu den ver-schiedensten Leidenschaften angefacht wird. Wenn wir nur sehen,mit welcher Leidenschaft im Verlaufe der NeformationSgeschichtesich manches ganze Volk an dem religiösen Kampfe betheiligte,mit welcher Halsstarrigkeit es an den angenommenen Grund-sätzen festhielt, und mit welcher Wuth es die unchristlichsten undunpraktischesten Conseguenzen aus diesen Grundsätzen vertheidigte,so können wir dies keineswegs der Abficht und Ueberzeugungdes Volkes zuschreiben, vielmehr einzig und allein den Volks-Lehrern, Vertretern und Führern. Ein Volk ist in seinen Be-strebungen wenig conscgucnt, und schwerlich wird es die Con-seguenzen aus seinem Beginnen und Streben ziehen. Wenn dereinzelne Mensch bei seinem Beginnen und Handeln leichtlich dieFolgen hiervon berechnen und voraussehen kann für sein eigenesLeben, so ist dies nicht so bei einem ganzen Volke; eS weißselten ganz genau, was es beginnt und thut, und noch vielweniger weiß es, welche Folgen dieses Thun für seine nachkom-menden Geschlechter haben werde. Sind diese Folgen dann nicht,wie man wohl wünschen möchte, dann darf man nicht gar zusehr die Schuld den verführten Voreltern beimessen; man darfdann nicht mit Haß verdammen, wo man mit Mitleid die Vcr-irrung bedauern soll, und nicht mit Vorurtheil die Gesinnungangreifen, wo man nur Irreleitung und Verführung erschaut.
Bis hierher mußten wir den Verlauf der Neuerung imAllgemeinen betrachten, um gleichsam den Hintergrund zu ge-winnen, worauf wir unser Bild auftragen können. Die allge-meinen Verhältnisse, Motive, hindernde und fördernde Mittelmußten wir hervorheben, um uns im Rückblicke auf sie verstän-digen zu können, ob und in wie weit das Eine oder Andere beiden Reformbestrebungen in unserer Gegend wirksam gewesen.Nun ist es an der Zeit, uns zu unserm eigentlichen Gegenständezu begeben.