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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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gelungen. Gelangten sie zur Blüte, so waren freilich die Mitgliedergeneigt, sich gegen die Aufnahme neuer Mitglieder zu verschließen,und oft genug hat dann die Genossenschaft einen vollkommen privat-gesellschaftlichen Charakter erhalten. In engstem Zusammenhangmit der Produktivgenossenschaft steht die Frage der Gewinnbeteili-gung der Arbeiter am geschäftlichen Unternehmen. Schulze-Delitzschlegte Gewicht auf die Beteiligung der Arbeiter am Gewinn, er be-trachtete die Gewinnbeteiligung als den Weg „zu einer höherenund vollendeteren Form der industriellen Genossenschaft, in welcherdie Sämtlichen Faktoren der modernen Industrie — die technischeund kaufmännische Kapazität, die physisch mechanische Arbeits-verrichtung und das Kapital — in ihren Trägern zu gemein-schaftlichem Unternehmen ihre Stelle fänden, jedes dem Werteseiner Leistungen gemäß gelohnt" (Häntschkc, S. 334). Fassenwir die Schwierigkeiten zusammen, so finden wir: die Erlangungdes Betriebskapitals, die Heranziehung geeigneter, geschulter kauf-männischer und technischer Kräfte für die Leitung, vor allem aber,und dies ist die größte Schwierigkeit, die Erkenntnis der Mitglieder,ihre ganze Kraft dem Unternehmen zur Verfügung stellen zurmissen, gleichzeitig sich unterzuordnen unter den einheitlichenWillen der Leitung, schlechte Zeiten über sich ergehen zu lassen,ohne dem Unternehmen untreu zu werden. Arbeitsrecht und Ar-beitspflicht der Mitglieder führen oftmals zu Konflikten. Dasgrößte Hindernis für das Aufkommen der Produktivgenossenschaftenaber ist die wirtschaftliche und politische Entwicklung Deutsch-lands gewesen. Vielleicht mehr noch als die wirtschaftliche, istdie politische in Betracht zu ziehen. Lassalle trat mit ganzerWucht den Schulze-Delitzschschen Bemühungen, die Arbeiter fürdie Produktivgenossenschaften zu gewinnen, entgegen. Lassalle warursprünglich wohl selbst für die freie Produktivgenossenschaft ge-wesen, doch bald ging er zu dem Plan der selbständigen Produktiv-genossenschaft mit Staatshilfe über. Bernstein hat darauf hin-gewiesen, daß Karl Marx sich zugunsten der freien Produktivgenossen-schaft ausgesprochen, die er als Vorstufe der künftigen genossen-schaftlichen Produktion betrachtete. Ebenso haben sich Beschlüsseder internationalen Kongresse zu Genf 1866 und Lausanne 1867für die Produktivgenossenschaften erklärt. Und der letztere Kon-greß empfahl sogar den Mitgliedern der Gewerkschaften, ihre Fondszur Bildung oder Finanzierung von Produktivgenossenschaftenzu verwenden. Bebel nahm damals einen abweichenden Standpunktein und erklärte 1872, daß Produktivgenossenschaften nur gegründetwerden müßten, um einer Anzahl gemaßregelter Gesinnungsgenossen