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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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Anhang.

Kriegs- und Nachkriegszeit.

Die erste Auflage des Buches hat ihren Abschluß im Jahre 1908gefunden. Nach der ganzen Anlage des Buches wollte es keine Ge-schichte des deutschen Genossenschaftswesens werden, sondern essollten nur Beiträge zur Geschichte des deutschen Genossenschafts-wesens geliefert werden. Eine Geschichte ist seit Gierkes „DeutscheRechtsgeschichte" nicht geschrieben; sie würde heute einen Teil derWirtschaftsgeschichte Deutschlands ausmachen. Die geschichtlicheBehandlung würde auf große Schwierigkeiten stoßen, weil es unge-mein schwer ist, den Kreis zu umschreiben, innerhalb dessen sich diezur Behandlung stehenden Genossenschaften bewegen. Die Genossen-schaften dienen, zumal in der heutigen Zeit, sowohl der privatkapita-listischen wie der sozialistischen Wirtschaftsordnung. Dieser Hinweisdürfte genügen, um zu zeigen, wie mannigfaltig die Entwicklung desGenossenschaftswesens ist, wie vielseitig seine Beziehungen und wieungemein schwierig es ist, streng objektiv als Geschichtsschreiberdas Genossenschaftswesen zu behandeln. Wer heute den Versuchmachen wollte, eine Geschichte des deutschen Genossenschafts-wesens zu schreiben, müßte Studien anstellen, die ihn in alle Zweigedes wirtschaftlichen Lebens hineinführen. Er dürfte die wirtschafts-politische Gestaltung im allgemeinen und in allen Zweigen des wirt-schaftlichen Lebens nicht aus dem Auge verlieren. Es ist außerordent-lich erstaunlich, was hier im Lauf von Jahrzehnten entstanden ist.Das Jahr 1908 bedeutet in der wirtschaftlichen Entwicklung Deutsch-lands einen gewissen wirtschaftlichen Wendepunkt. Auf die Flut wardie Ebbe gefolgt. Die Zeit der wirtschaftlichen Depression machtesich vielfach auch auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens bemerk-bar. Die Krisis auf dem Baumaikt hatte insbesondere die Kredit-genossenschaften stark in Mitleidenschaft gezogen. Besondersschwierig gestalteten sich in den folgenden Jahren die Verhältnisseim landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen, das zumal unterdem Einfluß der finanziellen staatlichen Förderung in der zu-vorliegenden Zeit eine außerordentliche Entwicklung genommen hatte.Es war die Zeit, in der ein sehr namhafter Kritiker sagen konnte, manglaube, es sei nur nötig, Genossenschaften zu gründen, um so allmäh-lich alle Reichtümer der Welt anderen aus den Händen zu nehmen

Crüger, Genossenschaftswesen. 9