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§11.
Das Genossenschaftswesen und das Handwerk.
Oben (§ 4) ist der Aufruf Schulze-Delitzschs an das deutscheHandwerk mitgeteilt. Es schien in den ersten Jahren, als wenn derAufruf entsprechende Beachtung fände. Doch die Zahl der Hand-werkergenossenschaften blieb klein. Und dann setzten Bewegungenein, die der genossenschaftlichen Arbeit Kräfte entzogen. Dazu kam,daß man anscheinend vielfach in Kreisen, die Einfluß auf die Hand-werker gewinnen wollten, bestrebt war, diese mit Mißtrauen gegen-über den Schulze-Delitzschschen Genossenschaften zu erfüllen.Äußerte sich doch noch im Jahre 1906 im Preußisichen Ab-geordnetenhaus der Vorsitzende des Ausschusses des vor wenigenJahren gebildeten Hauptverbandes deutscher gewerblicher Genossen-schaften dahin (am 3. Februar 1906): „Wir Angehörige des städti-schen Mittelstandes, wir Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibendewollten wohl am Genossenschaftsleben teilnehmen, aber, das istmeine persönliche Ansicht, wir wollten zum großen Teil nicht in dieSchulze-Delitzschschen Genossenschaften eintreten aus dem einfachenGrunde, weil wir nicht politisch beeinflußt sein wollten." Dieses Be-kenntnis erklärt viel. Man muß sich dabei noch vergegenwärtigen,daß, als im Jahre 1865 durch den damaligen Handelsminister Bis-marck eine Kommission zur Prüfung der Förderung des Genossen-schaftswesens einberufen wurde, man Schulze-Delitzsch nicht zuzogunter dem Vorwande, daß „seine ganze agitatorische Wirksamkeitüberwiegend darauf gerichtet ist, politischen Einfluß auf die Arbeiterund Handwerker zu gewinnen, um die Fortschrittspartei gegen dieRegierung zu verstärken". So entwickelte sich Mißtrauen in denHandwerkerkreisen gegenüber den Schulze-Delitzschschen Genossen-schaften, und es wurde genährt durch Verdächtigungen der Schulze-Delitzschschen Genossenschaften, wie wir sie ja ähnlich auch aufdem Gebiet des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens beobachtethaben. Es ist zum Verhängnis für das Handwerkergenossenschafts-wesen geworden, daß man in den Kreisen, die tatsächlich Einfluß aufdie Handwerker ausübten^ schließlich wohl erkannte die große wirt-schaftliche Bedeutung der genossenschaftlichen, Organisation für Gegen-wart und Zukunft des Handwerks — gleichwohl sich aber nicht ent-schließen konnte, den Handwerkern die Schulze-Delitzschschen Grund-sätze als die richtigen zu empfehlen — und infolgedessen nach Neue-rungen auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens suchte. So setztein den 90 er Jahren eine Bewegung ein, die auf die Gründung vonHandwerkerkreditgenossenschaften abzielte unter Zugrundelegung des