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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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Raiffeisenschen Systems. Wanderredner wurden von der Regierunghinausgeschickt, die unter Herabwürdigung der Tätigkeit der Schulze-Delitzschschen Kreditgenossenschaften für die Gründung von be-sonderen Handwerkerkreditgenossenschaften Stimmung machten. End-lich am 25. Juni 1902 sah sich der preußische Handelsminister ver-anlaßt, in einem besonderen Erlaß zu erklären: „Die Bildung be-sonderer Kreditgenossenschaften wird sich — im Hinblick auf dieHöhe der Verwaltungskosten, die wirtschaftliche Schwäche dermeisten der anzuschließenden Handwerker und die damit in Zu-sammenhang stehende geringere Neigung der wohlhabenden Hand-werker, solchen Organisationen beizutreten — nur unter besonderenUmständen, und insbesondere da empfehlen, wo die vorhandenenKreditgenossenschaften sich gegen die Aufnahme kleinerer Hand-werker ablehnend verhalten oder dieselbe an erschwerende Bedin-gungen knüpfen, oder wo die Art ihrer Geschäftsführung die Gewäh-rung eines billigen, tunlichst gleichmäßigen Zinsfußes nicht erwartenläßt. In allen Fällen wird es zweckmäßig sein, den Versuch zumachen, zunächst auf die bestehenden Kreditvereine im Sinne derbegründeten Wünsche der Handwerker einzuwirken."

Unter den Handwerkern war durch das Vorgehen der Regierungund die Art der Agitation eine große Verwirrung hervorgerufen. In-zwischen waren auch bereits Revisionsverbände von Handwerker-genossenschaften gegründet. Und wohl Um einen stärkeren Einflußauf diese zu gewinnen, wurde der Hauptverband deutscher gewerb-licher Genossenschaften ins Leben gerufen, auf dessen Leitung sichdie Regierung dadurch den entscheidenden Einfluß vorbehielt, daßsie für die Bezahlung des einen Vorstandsmitgliedes die Mittel zurVerfügung stellte und als zweites Vorstandsmitglied einen Bank-inspektor der Preußischen Zentral-Genossenschafts-Kasse bestellte.

Hoben wir oben hervor, daß auf dem Gebiet des landwirtschaft-lichen Genossenschaftswesens sich wenigstens bei den Genossen-schaften, die direkt der Verbesserung des Betriebes dienen, keinewirtschaftlichen Gegensätze unter den Berufsgenossen zeigen, soliegt dies ganz anders bei den Handwerkergenossenschaften. Hiermachen sich Konkurrenzneid und Eifersüchtelei bereits bei denersten Hilfsgenossenschaften, bei den Rohstoffgenossenschaften, be-merkbar. So erklärt es sich schon sehr natürlich durch die wirt-schaftlichen Verhältnisse, daß das Handwerkergenossenschaftswesenin der Entwicklung hinter dem landwirtschaftlichen wenigstens in denArten erheblich zurückblieb, die speziell als Berufsgenossenschaftenzu betrachten sind. Dazu kommt dann noch, daß die Handwerker-genossenschaften erheblich mehr geschäftliche Schwierigkeiten bieten