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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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Genossenschaften Stimmung zu machen — den erwarteten Gewinnverteilt, ehe er noch erzielt war. Statt auf Getreide und Traubenzunächst nur eine mäßige Abzahlung den Mitgliedern zu gewähren,hat man gleich — zuweilen sogar — den höchsten Tagespreis zu-grundegelegt. Das volle Risiko traf dann die Genossenschaft beisinkenden Preisen und das Geschäft wurde verlustbringend. Ganzanders verfährt man bei den Molkereigenossenschaften, bei diesenwird den Mitgliedern in der Regel die eingelieferte Milch unter demTagespreis bezahlt und der Überschuß nach entsprechender Rücklagenach Verhältnis der Milchlieferung zur Verteilung gebracht. Dies istkaufmännisch das einzig richtige Verfahren.

Die Gründung der ersten Winzergenossenschaften fällt bereitsin die 70er Jahre; sie entstanden unter Reirat von Schulze-Delitzschund gehörten dessen Verband an. Infolge einer mißverständlichenAuffassung eines Aufsatzes in den „Bl. Genoss. W.", in dem maneinen Angriff auf die katholische Religion erblickte, trennten sichdie Genossenschaften von dem Schulze-Delitzschschen Verband. Indem Jahresbericht für 1874 führt Schulze-Delitzsch außer siebenAartalgenossenschaften noch einige an der Mosel und im Elsaß auf.Produktivgenossenschaften im eigentlichen Sinn desWortes, d. h. Genossenschaften, bei denen diese als solche den ge-samten landwirtschaftlichen Betrieb umfassen, sind nur in verschwin-denden Ausnahmen entstanden. Dahin gehört der Ackerbauverein,e. G. m. b. H., in Pinschin, der im Jahre 1906 nach erfüllter Auf-gabe sich aufgelöst hat. Die Aufgabe bestand in diesem Fall darin,den Mitgliedern, die die einzelnen Parzellen des Gutes bewirtschaf-teten, zum selbständigen Besitz zu verhelfen.

Die Schwierigkeiten, die sich der landwirtschaftlichen Produktiv-genossenschaft entgegenstellen, sind anderer Art als jene, die wirbei der industriellen Genossenschaft antreffen. Vor allem spielt dieFrage des Großbetriebes hier keine Rolle. Es bleiben aber jeneSchwierigkeiten auch hier bestehen, die sich aus der einheitlichenLeitung einer Genossenschaft ergeben, bei der die im Dienste derGenossenschaft stehenden Mitglieder mehr als abhängige Glieder derGenossenschaft sein wollen. Und dann wirken hier noch ganz be-sonders die Risiken, denen die Landwirtschaft überhaupt nach ihremBeruf ausgesetzt ist, mit. Vermögenslose Landwirte kann auch dieProduktivgenossenschaft nicht gut gebrauchen. Und verfügt der Land-wirt über ausreichendes Vermögen, wird er nicht in die Produktiv-genossenschaft eintreten, sondern wird seine eigenen Wege gehen.