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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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„Nach den gemachten Erfahrungen muß ich Schulze-Delitzsch aufdas vollständigste dahin recht geben, daß derartige Vereine nur dannlebensfähig sind und bestehen können, wenn sie auf die unbdingtaSelbsthilfe gegründet, d. h. nur aus solchen Personen gebildet sind,welche der Hilfe persönlich bedürfen. Um nicht auch hier wie inFlammersfeld dieselben traurigen Erfahrungen zu machen, faßte ichden Entschluß, der Auflösung des Vereins nicht ferner entgegenzu-wirken und beizeiten einen Verein auf der berührten Grundlage zubilden. Es ist mir dieses bereits in erfreulicher Weise gelungen, undzwar ganz nach Art der von Schulze-Delitzsch gegründeten Vereine."Dieser Heddesdorfer Darlehnskassenverein beschloß 1865 den An-schluß an den Schulze-Delitzschen Anwaltschaftsverband. ZumBeitritt ist es jedoch nicht gekommen.

Außer dem Heddesdorfer Verein bestand damals noch ein Dar-lehnskassenverein für das Kirchspiel Anhausen. Diesen letzterenVerein benutzte Raiffeisen trotz der Erfolge in Heddesdorf schließlichals Vorbild. Seine Einrichtungen wurden maßgebend. Als besondereEigentümlichkeiten des Anhauser Vereins kommen in Betracht,daß die Mitglieder weder Eintrittsgeld noch Einlagen zahlen, aberauch keinen Anteil am Gewinn haben; dieser verbleibt nach Abzugder verhältnismäßig geringen Unkosten als wirkliches Vereinsver-mögen. Raiffeisen hatte übrigens seibist noch versucht, die Mit-glieder zur Annahme der Heddesdorfer Grundsätze zu bestimmen.Für den Anhausener Verein war maßgebend- der Grundsatz der Be-schränkung auf einen kleinen Vereinsbezirk.

Für die Abwendung Raiffeisens von Schulze kommen nach Faß-bender vier Momente in Betracht: „1. der Zwang der gegebenenVerhältnisse (arme ländliche Bezirke); 2. die auf dem Wege ein-facher Schlußfolgerung auf Grund jener Verhältnisse (Anhausen)geschaffenen Einrichtungen; 3. das Festhalten an der christlich-caritativen Idee der Fürsorge für die Unbemittelten und Hilflosenund 4. die Absicht eines erziehlichen Einflusses auf die Masse derGenossen. Und zwar nicht allein durch Einwirkung auf die freieaus ethischen Motiven hervorgehende Willensentscheidung, sondernauch unter Anwendung von verschiedenen, mit innerer Notwendig-keit wirkenden Zwangsmaßregeln. ... In dem zufälligen Anschluß andie Dorfgemeinde und dem durch die Verhältnisse bedingten Aus-schluß der Geschäftsanteile in Anhausen, also in gegebenen Zu-ständen und nicht in einer klar durchdachten Theorie haben wirden Ausgangspunkt und die Grundelemente der Entwicklung derländlichen Genossenschaft zu erblicken." Zweifellos liegen hier auchAnklänge an den französischen Sozialisten Buchez vor.