Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
275
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Urba

ist Hoffahrt. Der SJerf. macht aus dem Titel einesalten Vorlegcbuchs (Iranclrirbuchs) von einem gcwis-scn I oh. Georg Pascha, Halle 1653, die Entde-ckung : daß diö Wort ursprünglich Hof-art, so wie dasBeiwort hof-artig gelautet, und daß jenes Hofsitte,dieses hofmaßig oder den Hofsitten gemäß bedeutet ha-be. Auf dem Titel des genannten alten Buchs findet sichnämlich unter mehren angegebenen Abschnitten des Werksauch folgender angegeben:wie ein jedes Stück zier-lich und hoffartig zu tranchirenund unten stehen nochdie Worte:nach jetziger Zeit üblichen Hoffahrt mitFleiß beschrieben u. s. w." So ganz neu ist nun dieseEntdeckung freilich nicht. Schon Ad. hat bemerkt, daßEinige das Wort Hoffahrt von Hof-art haben herlei-ten wollen; allein er verwirft diese Hcrleitung aus demGrunde, weil man in den ältesten Deutschen Schriftendas Wort gewöhnlich Hochvart oder Hochfart geschrie-ben finde, und es sonach mit Wachter'» und Fri-sch'cn von hoch und fahren herzuleiten wäre. Jhrc'nsAbleitung von dem Angclf. Ferth, das Gemüth, ver-wirft er deswegen, weil, ihr zufolge, Hoffahrt undHochmuth einerlei sein würden, welches dem Sprach-gebrauche zuwider sei. Diesen Sprachgebrauch bestimmter nämlich dahin, daß Hoffahrt nur die Aeußerungdes Hochmuths oder den Ausdruck desselben durch äu-ßere Dinge, Kleidung u. s. w. bedeuten soll. Allein disdürfte schwer zu erweisen sein. Selbst unter denjenigenStellen, womit Ad. sein Urtheil zu belegen sucht, isteine, die ihm offenbar widerspricht: Hoffahrt laß we-der in deinem Herzen, noch in deinen Wortenherrschen. Hier bezicht sich Hoffahrt ohne Zweifel aufdie innere Gesinnung selbst, nicht bloß auf die Aeuße-rung derselben. Mir scheint der Sprachgebrauch zwischenHochmuth und Hoffahrt zwei andere Unterschiede fest-gesetzt zuhaben, diese nämlich, daß 1. jener einen über-mäßigen Grad von Stolz, diese einen hohen Grab vonEitelkeit bezeichnet; und 2. daß Hoffahrt etwas veral-tet und daher niedriger als Hochmuth ist. Für jenesgebrauchen wir lieber Eitelkeit.

Dem sei nun aber, wie ihm wolle, so scheint derVerfasser des angeführten Aufsatzes doch so viel bewie-sen zu haben, daß wenigstens zu Joh. Georg Pa-sch a's Zeiten, also um die Mitte des vorigen Jahr-hunderts, Hoffahrt und hoffartig wirklich so viel alsHof-art und hof-artig bedeutet haben, und daß alsoGrund vorhanden sei, diese Wörter, auf die letztereArt geschrieben, für die Begriffe von Urbanität undurban, die sie damahls ausdruckten, von neuen zustempeln. Er hätte ebendasselbe auch mit Stellen ausL 0 g a u und andern Schriftstellern dieses Zeitraumsbelegen können. Logau hat z. B. folgendes Sinnge-dicht mit dem Worte Hoffahrt überschrieben, wo es of-fenbar nichts anders als Hof-art oder Hofsitte bedeu-ten kann:

ürba Urgi »75

Hoffahrt.

Ich nehm ein Quentlein Glück, und kaufe Hose-

gunst,

Ob dir es so beliebt, nimm einen Centnör Kunst:

Die leichte Mühe gilt, die schwer' ist hier umsonst.Da indeß bei dem Sachworte Hof-art, wegen seinesGleichlauts mit Hoffahrt (welches mit der Bedeutung,die es nun einmahl hat, schwerlich jemahls wieder ver-drängt werden kann) Mißverständnisse, wenigstens zweck-widrige Nebenbegriffe, entstehen würden; so wäre, fallsder Vorschlag des Verfassers Beifall finden sollte, dieFrage: ob es nicht rathsamcr sein würde, statt Hof-art lieber Hof-artigkeit für Urbanität zu sagen, weilauf diese Weise die Veranlassung zu einer Verwechse-lung desselben mit Hoffahrt wegfiele. Das Beiwort hos-artig für nrban bedürfte keiner Abänderung, weil dieAbleitung von Hoffahrt, welche hoffartig lautet, da-mit nicht verwechselt werden kann. Daß, wenigstens ehe-mahls, die Höfe in Ansehung der feinern Sitten unddes bessern gesellschaftlichen Tons für Deutschland ebendas waren, was die Stadt Rom urbs in ihrerglänzenden Zeit, nicht blos für Italien, sondern auchfür die ganze Römische Welt, und die Stadt Athen agv, wovon ägeionvy für Grichcnland war, istbekannt. Die Deutschen hatten daher Recht, hof-artigoder hofmaßig zu nennen, was die Römer und Gri-chen stadtmaßig nannten.

Urbaria oder Urbarien; ein aus Deutschen Stoff gebil-detes nculateinisches Wort, in der Einzahl Urbarinin.Das alte Deutsche Wort, dem man diese LateinischeGestalt gegeben hat, hieß das Urbar oder Urbarbuch,d. i. das Ertragbuch, von ur, er/und baren, tra-gen. Siehe A d. Man verstand darunter ein Buch, inwelchem die urbaren, und als solche zinspfiichtigcn Aeckeraufgeführt sind. In einigen Gegenden, z. B. im Hol-steinischen nennt man dergleichen Bücher Erdbücher, inandern Grund- oder Lagerbücher, und wiederum inandern Zins- oder Steuerbücher.

Urgence (spr. Ucrganj?), der Nothdrang.Man fühlteden Nothdrang." Stuve. Da wir nothgcdrungen ha-ben , warum sollten wir nicht auch Nothdrang sagendürfen? Es ist in jedem Betracht besser als Nokhge-drungenheit, welches andere dafür versucht haben:Nothgedrungcnhcit veranlaßte jenes angebliche Opferder Großmuth." Anecdoten aus dem Privatleben derKaiserinn Catharina II. In einer kleinen Staatsschrift:Bliese eines Deutschen Gesandten. München 1800.wird Dringlichkeit dafür gesagt, dem aber Drang undNothdrang vorgezogen zu werden verdienen:Die Dring-lichkeit der Umstände."

Urgent , dringend, nothdringend oder nothdringlich.

Urgiren, auf etwas dringen, auf etwas bestehen, einbesonderes Gewicht oder das stärkste Gewicht auf ct-Mm 2 was

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