Hypo Hypo Hyst *ji
Hypothec, ein verschriebenes Pfand oder Unterpfand;also ein Pfand, welches nicht übergeben, oder ausge-liefert, sondern nur gerichtlich auf den Fall verschrie-ben wird, daß die darauf geliehene Summe nicht zuihrer Zeit zurückbczahlt wird. Oft können wir Pfand-verschreibung, auch Pfandrecht, dafür sagen, z. B.er hat ihm das Geld nicht auf Wechsel, sondern aufPfandverschrcibung geliehen. Alle, welche an den be-weglichen oder unbeweglichen Gütern des Verstorbenenein Pfandrecht zu haben vermeinen. Für Geld aufllv-pothec verleihen, sagt man mit Einem Worte: es be-legen. Hypotheca tacita, ein stillschweigendes Un-terpfand ; — specialis, ein besonderes oder bestimm-tes Unterpfand; — generalis , eine allgemeine Ver-schreibung, eine allgemeine Verpfandung des gesamm-ten Vermögens.
Hypothecarius , ein Pfandglaubiger. K i n d e r l i n g.
Hypothenuse, in der Meßkunst, die größere Seite einesrechtwinkeligen Dreiecks. Sie wird den.beiden kleinernSeiten desselben, catheti genannt, entgegengesetzt. Fürjene Hat Burja die Großseike, für diese die Kleinsei-ten gebildet. Er fügt aber Hinzu, daß man auch füg-lich die größte Seite und die kleinern Seiten dafür sa-gen kann.
Hypothese. Wir hatten zwar schon das Wort Voraus-setzung dafür. Allein da dieses in einigen Fällen nichtrecht gut zu passen scheint, so schlug ich Wagesatz dafürvor. Dieser neue Ausdruck wurde von einigen Sprach-forschern und Schriftstellern, z. B. von dem sogenann-ten Odenwald er im Braunschw. Journale, vonEschen burg'en und von Stu'tz'en, gebilliget undangenommen. Moritz hingegen erklärte sich dawider(Deutsch. Monatsschrift. Dee. 1792.) aus dem Grun-de, weil es nur einen Theil des Begriffs, den wir mitHypothese verbinden, nämlich die Ungewißheit, nichtüber auch den von einer Unterlage, worauf man eineFolge bauet, ausdrucke. Hierauf läßt sich aber ant-worten: daß dem GrichischenWorte ebenderselbe Fehler,wenn es einer ist, nur auf eine andere Art anklebt, in-dem dasselbe gleichfalls nur Einen der beiden Hauptbe-griffe, die hier zusammenkommen, nämlich den der Un-terlage, nicht aber auch den der Ungewißheit angibt.Es wäre nun aber erst die Frage: welcher von diesenbeiden Begriffen der nothwendigste sei, folglich am we-nigsten Übergängen werden dürfe? Und dann: ob beieinem zusammengesetzten Begriffe, alle Theile desselbenin dem Worte, wodurch er bezeichnet werden soll, noth-wendig ausgedruckt werden müssen? Eine Menge alterund neuer, allgemein gebilligter Wörter, das Wort Hy-pothese selbst, beweisen das Gegentheil. Da es über-das Fälle gibt, wo wir bei dem Begriffe, den dasWort Hypothese bezeichnet, wenn nicht ausschließlich,doch vorzüglich an das Ungewisse, Unbewiesene, alsoGewagte der Voraussetzung, und nicht an den Umstand,
daß sie zur Grundlage für andere Sätze dienen soll, zudenken pflegen, wie wenn man z. B. sagt: es ist undbleibt doch immer nur Hypothese; so dürfte das WortWagesatz, wenigstens für diese Fälle, nicht zu verschmä-hen sein. In andern Fällen, wo es mehr auf den Be-griff der Unterlage, als auf den der Ungewißheit, an-käme, könnte man Voraussetzung gebrauchen.
Kinderling hat Bedingungssatz dafür angesetzt.Das scheint aber einen Satz, der eine Bedingung ent-hält, oder der nur bedingt zu verstehen ist und geltensoll, aber nicht eine Voraussetzung zu bezeichnen.
Baum garten übersetzte Hypothese, gleichfallsnicht sehr paßlich, durch Grundmeinung.
Ex hypothesi, vorausgefetzttrmaßcn, der Voraus-setzung zufolge oder gemäß.
Hypothetisch, angenommen, z. V. ein solcher Satz.
Hypotypose; dieses Grichische Wort, welches in derneuern Philosophie vorkommt, ist von dem Urheber der-selben selbst durch Darstellung, anschauende Vorstellungund Versinnlichung verdeutscht, und durch „das Geschäftder Urtheilskraft, dem Begriffe eine correspondirende(antwortende) Anschauung zur Seile zu stellen, oder un-terzulegen," erklärt worden.
Hysterisch,, ist beim weiblichenGefchlechte, was bei demmännlichen hypochondrisch genannt wird. Man hatfür diese weibliche Krankheit den Namen Mutterbeschwer-den beliebt, Sie leidet an Mutterbefchwerden, sagtalso eben so viel als: sie ist hysterisch.
Hysteron-proteron, das Hintere voran. Man ver-steht darunter denjenigen Fehler, entweder in der Vor-stellung oder im Ausdrucke, vermöge dessen zwei Begrif-fe dergestalt verwechselt werden, daß derjenige von bei-den, der seiner Natur nach auf den andern folgen soll-te, diesem vorangesetzt wird, wie wenn jemand „denWergen vor die Pferde spannen läßt." Herder hatdiesen Grichischen Ausdruck buchstäblich verdeutscht unddas Vorn-hinten dafür gesagt. Allein diese Verdeut-schung ist selbst eine Art von Hysteron-proteron;man müßte ei,t Hinten-vorn dafür sagen. In einerspätern Stelle hat auch Herder selbst diesen Ausdruckeben so gestellt: „Und wodurch? Durch ein Hintenvorn(l;s$ov ngoTsgov)."
L
(Man nimmt hier, wie gewöhnlich, den Grundlaut(Vocal) i und den Bestimmungslaut (Consonanten)j zusammen, ungeachtet jeder ein für sich bestehenderBuchstabe ist: weil wir für beide nur ein Zeichen in demgroßen Abeee haben, und man daher beim Aufschlageneines Wörterbuchs, worin beide von einander getrenntsind, ohne genauere Untersuchung, niemahls wissen kann,ob man den Grundlauter i oder den Bestimmungslan-G st ter