Rubi Rund
Rubin, die letzte Silbe gedehnt, ein blutrother Edelstein,nächst dem Demant der geschätzteste. Man könnte ihndaher wol den rothen Demant nennen. Der morgen-ländische" Rubin insbesondere hak schon einen der Deut-schen Sprache einverleibten Namen, Karfunkel. Auchdieser könnte füglich die ganze Gattung bezeichnen.
Rubric. Lat. Rubrica und Rubrum ; eigentlich die ro-the Farbe, derRöthel; dann eine, nach ehemaliger Wei-se , mit rother Tinte geschriebene Ueberschrift. Jetztheißt es überhaupt so viel als Ueberschrift, Kapittel,Abschnitt, und noch uneigcntlicher, Klasse und Gat-tung. So, wenn z. B. Wi eland in der Vorrede zumverklagten Amor sagt: dieses Gedicht sei nicht leicht un-ter eine schon bekannte Rubric zu bringen; so hätte erfüglich Gattung dafür sagen können. Dieses Gedichtpaßt in keine schon bekannte Gattung.
Rubriciren, eigentlich, mit rother Tinte überschreibenoder mit einer rothen Ueberschrift versehen, uneigcnt-lich, i. überhaupt überschreiben, oder mitUeberschrif-ten versehen; dann aber auch, 2. nach Kapitkeln, Fä-chern oder Klassen ordnen, oder in eine Klasse, ein Fachoder eine Gattung setzen, wofür man vielleicht mit Ei-nem Worte fachen sagen könnte. So wenn Schlegelvon Nathan dem Weisen sagt: Es ist schwer, ja fastunmöglich, das sonderbare Werk zu rubriciren," soscheint jenes Deutsche Zeitwort nicht übel dafür zu passen.
Rüde (spr. rüde), roh, hart, rauh, grob.
Rudern. ©. Ruinen.
Rudesse (spr. Rüdeste), die Rohheit, Harte, Rauhheit,Grobheit.
Rudimente, die Anfangsgründe.
Ruin, der Verfall, das Verderben, der Untergang.
Ruinen, oder Rudera, dic Trümmer, Ucberbleibsel ein-gefallener Gebäude. Wir haben auch das SammclwortGetrümmer dafür:
So rollte das letzte Getrümmer fort.
Bürger.
Ruiniren, verwüsten, verderben.
Ruminiren, eigentlich wiederkäuen, uneigcntlich, übet-legen, hin und her bedenken.
Rumor, der Lärm, das Getose.
Rumoren, lärmen; auch sein Wesen oder Unwesen trei-ben. In dieser letzten Bedeutung hat Voß in einemseiner plattdeutschen Gedichte es gebraucht:
Denn da rumort dc Welten.
Rumpiren, zerbrechen, trennen.
Rundiren, runden. Ad. hat zwar, sowol jenes Zwit- ,terwort, als auch dieses echtdeutsche; allein er hat beidiesem letzten zwei besondere Bedeutungen anzugebenvergessen, in welchen es theils wirklich gebräuchlich ist,theils gebräuchlich zu werden verdient; nämlich: 1. die-jenige, welche es in den schönen Künsten überhaupt, undjn der Redekunst insbesondere hat; z. B. „Ein Bild
Rupc Sacr 22z
völlig runden," f. ausmahlen, vollenden. L essi ng.„Seiner Schreib-art Kürze und Ründung geben."Ebend. 2. Diejenige, in welcher es für arrondirengebraucht werden kann; z. B. seine Besitzungen, seinLandgut ründen. Er geht darauf aus, sich zu ründen.
Ruptur, der Bruch, Friedensbruch.
Rural, ländlich. Ruralgedichte sind Landgedichte.
Rustieitiic, die Ungeschliffenheit, Tölpelei, das bäucr-sche Wesen.
Rustique (spr.rüstik), 1. bäuerisch; dis wird allemahl inschlimmer Bedeutung gebraucht; 2. bäuerlich, ohneschlimme Nebenbedeutung. Heynatz sagt davon imSprachreiniger (Antibarbarus ): „ein gutes Wort,welches von bäuerisch unterschieden ist, und daher Em-pfehlung verdient. Es kommt in einigen PreußischenEdicten (Verordnungen) vor. Personen bäuerlicher Her-kunft. Er genoß eine gute bäuerliche Erziehung. Bäuer-lich gekleidet." 3. ländlich, z. B. die ländliche Säu-len -ordnung, ordre rustique.
s.
Sabbath, der Ruhetag, Feiertag; dann auch der Lärm,und zwar mit dcm Nebenbegriffe des abscheulichen; deeHexentan;.
Laura, heilige Sachen, Heiligthümer. Sacra admini-striren, heißt, taufen und das Abendmahl vertheilen.
Sacrament, hieß bei den Römern ein Eid, und zwar der-jenige insbesondere, den die Soldaten leisten mußten.Jn derjenigen — wie soll ich sagen? übervernünfkigenoderuntervernünftigcn? — Bedeutung genommen, in wel-cher dieses Wort nachher in der Kirchensprache üblichwar, ist es unübersetzbar. Nach den Begriffen, welcheche jetzt, wenigstens von den größten Gottesgelehrtender freigläubigen (protestantischen) Kirche damit ver-bunden werden , könnte es durch kirchlicher Feiergebrauchübersetzt werden, worunter denn die Weihe oder Ein-weihungsfcier(dieTaufe), und dieBekenntnißseier (dasAbendmahl) begriffen würde. Ungesittete Menschen ge-brauchen das Wort auch als einen Fluch. Daher Sa-*cramentiren für fluchen.
Sacramentirer, so hieß man ehemahls diejenigen, wel-che nicht zu überzeugen sind, daß wirkliches Brot undwirklicher Wein, zugleich wahres Fleisch und wahresBlut sein können. Da man heutiges Tages schwerlichnoch das Bedürfniß fühlt. Ungläubige dieser Art mit ei-nem eigenen Ekelnamen zu bezeichnen: so habe ich michder Mühe, jenes Wort zu verdeutschen, überheben zudürfen geglaubt.
Sacrhice(spr.Sakrifihß'), Lat. Sacirficium, däs.Opfer.
Sacriticiren, aufopfern.
Sacrilegium , der Kirchenraub. Es wird aber auch inweiterer Bedeutung von der Beraubung oder auch Ent-weih-