f Trad
Tran
Schlimm, wenn ein Lehrer bei seinem Unterrichte keinenandern Zweck kennt, als seine eigenen Begriffe, Mei-nungen und Vorurtheile den Jüngern zu tradiren odereinzutrichtern.
Tradition, 1. die llebergabe; 2. die mündliche Ueber-lieferung , auch die Ueberlieferung oder Fortpflanzungschlechtweg; die Sage. Das letzte hatGat lerer da-für gebraucht. Man hat auch Erblehre dafür vorge-schlagen , welches aber nur für überlieferte Meinungen,nicht für überlieferte Geschichte paßt. — Traditio ju-dicialis, die gerichtliche llebergabe.
Traductionssystem, das Lehrgebäude von der Fort-pflanzung der Seelen von den Eltern auf die Kinder.
Tratte, der Handel, das Gewerbe, der Verkehr.
Trafiquiren (spv. fraftfireti), handeln, ein Gewerbe oderVerkehr treiben. Wir haben auch das gute Zeitwortverkehren, an welches Petersen in den Beitragen zurweitem Ausbild. der Deutsch. Sprache erinnert hat:„Für düs Ausland arbeitete und verkehrte fast niemand."F r. Schulze.
Tragikomödie, ein weinerlicher Lustspiel, d. i. einSchauspiel, welches abwechselnd weinen und lachenmacht. Tragicomisch, weinerlich lustig. Weinerlichist von Wie land'en gebildet.
Tragisch, traurig, weinerlich, trauerspiel-artig.
Tragödie, das Trauerspiel.
Traille (Tpi*. Trallje), das Gitterwerk, das Gitter.
Train ( spr. Träng), 1. das Gefolge, das Geschleppe;2. in der Kriegessprache, der Rückzug, d.i. die Stückeoder Kanonen, mit dem dazu gehörigen Gefolge. Z.DerGang oder Lauf der Dinge. Ein train fein, heißt,im Zuge sein, auf den Beinen sein, wirksam sein, Ein-fluß haben oder gelten.
Trainiren, hinhalten, verzögern, in die Lange ziehen.
Trait (spr. Träh), der Zug, Gesichtszng; uueigcntlichauch der Streich. Er hat mir einen bösen Streich ge-spielt.
Traitable (spr. trätabl). Wir haben außer biegsam,geschmeidig und lenksam, welche den Begriff nicht er-schöpfen, zwei landschaftliche Wörter dafür, sinnig undhandlich , wovon das erste schon ehemahls in der Deut-schen Schriftsprache gelebt hat (wo es auch noch jetzt inunsinnig lebt), und von einigen N. D. Dichtern, be-sonders von V offen, seit einiger Zeit wieder gebräuch-lich gemacht worden ist-. Als Gegentheil von unsinnigbedeutet es vernünftig, bedachtsam; und Kosegartenhat eS für nachsinnend gebraucht:
Sinnig stand sie am Fenster.
In der N. D. Volkssprache aber wird es von Pferdenund Menschen gebraucht, die nicht scheu, siörrig, eigen-sinnig, sondern ruhig und lenksam sind oder mit sichmachen lassen; und in dieser Bedeutung, wo es fürtraitable paßt, hat Voß etz aufgenommen. K. Cra-
Tm
mer hat auch das Sachwort die Sinnigkeit gebraucht.Handlich heißt, was sich gut handhaben oder behan-deln läßt; und mein Vorschlag, es in dieser Bedeutungmehr in Umlauf zu bringen, ist in der N. Bibl. derschonen Wissenschaften gebittiget worden. Die Hollän-der sagen haudsam dafür. Im O.D. soll es, wie A d.bemerkt, handfest, tapfer, beherzt bedeuten; allein die-se Bedeutung scheint ihm minder natürlich zu sein.
Traite. S. Tractament.
Traiteur (spr. Trätöhr), ein Speisewirth, Gahrkoch.Die Franken sagen jetzt Wiederhersteller, Restaura-teur, dafür.
Tramontane, heißt in der Schiffahrtssprache auf demmittelländischen Meere, der Nordstern. Daher die R.a. die Tramontane verlieren, d. i. verwirrt werden,die Fassung verlieren, sich nicht mehr zu helfen wissen.
Tramontano, ein beschwerlicher Nordwind in Italien.
Tranehant' (spr. transchang), schneidend; z. B. ein sol-ches Urtheil.
Tranch^e (spr. Trangschee), der Laufgraben.
Trnnchenr (spr. Trangschör), der Vorschneider, oderVorleger.
Tranchiren (spr. transchircn), zerschneiden, vorschnei-den oder vorlegen.
Tranquille (spr. Trankihl), ruhig.
Tranquillite (spr. Lrankilikeh), die Ruhe.
Transaet, Transaktion, die Verhandlung, der Ver-gleich.
Transcendent und transcendental, buchstäblich über-steigend oder überschreitend. Es werden solche Begrif-fe damit bezeichnet, welche über das Sinnliche hinaus-gehen. Kant hat dem ersten das Deutsche Wort über-schwenglich zur Seite gefetzt; und Mertian (in derAllgem. Sprachlehre) hat buchstäblich übersteigend da-für gesagt. Die neuere Philosophie, welche jene beidenWörter unterscheidet, und sehr häufig Gebrauch davonmacht, gibt folgende nähere Bestimmung derselben an:„Das Wort transcendental bedeutet nicht etwas, dasüber alle Erfahrung hinausgeht, sondern was vor ihr(a priori) zwar vorhergeht, aber doch zu nichts mehre-rem(mehrem) bestimmt ist, als lediglich ErfahrungS-erkenntniß möglich zu machen. (Aber warum sagte mandenn, wenn dieser Sinn dadurch ausgedruckt, und einfremdes Wort dazu nun einmahl gebraucht werden sollte•—■ nicht lieber antecedent ?) Wenn diese Begriffe dieErfahrung überschreiten, dann heißt ihrGebrauch tran-scendent, welcher von dem immanenten, d. i. aufErfahrung eingeschränkten Gebrauche unterschieden wird."Kant in den Prolegom. zu jeder künftigenMetaphysie.Seit. 204. Sonach ließe sich, wenn diese willkührlicheWortbestimmung gelten soll, transcendent durch über-sinnlich , transcendental durch vvrsinnlich verdeutschen.— Es scheint übrigens nicht unnütz zu sein, folgende
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