Theo
Thri
Thyr
Tira
vorstehenden Abhandlung habe ich das Wort Theorieauch einmahl durch Regelgebaude verdeutscht; und dasscheint für den Zusammenhang, worin es steht, nichtübel gewählt zu sein Baumgartcn übersetzte theo-retisch durch in der Kenntniß, und practisch durchin der Anwendung. Kants practische Vernunft istdie angewandte oder werkthätige. Nach dieser Theo-rie , Heißt auch oft, nach dieser Erklarungsart.
Theosophen , Schwärmer, wenn sie es ehrlich meinen,und im entgegengesetzten Falle Schurken, welche die .Lar-ve der Geistcrseherci vorstecken, um einfältige Menschenzu berücken. Der Name Theosophen ist, wie die Leh-re dieser Leute, sehr anmaßend; er bedeutet Gotteswci-se (wie Gottesgelehrten). Auf Deutsch pflegt man sieGeisterseher und Goldmacher zu nennen, weil UmgangmitGeistern und Verwandclung schlechter Stoffe in Gold,das Ziel ihrer thörichten Wünsche und ihrer eitel,, Be-strebungen sind. Kant erklärt die Theosophie durch:vernunslocrwirrcnde, überschwengliche Begriffe vom höch-sten Wesen.
Therapie oder Therapeusic, die Heilkunst oder Heil-kunde.
Thermometer, ein Werkzeug, den Grad der Wärme zumessen; also ein Wärmemesser. Dis Wort hat aberfreilich den Fehler, daß das me me einen Uebelrlangmacht. In Warmezeiger würde dieser Uebelklang ver-mieden werden. Man sagt auch, Thermoscop; unddiesem antwortet Warmezeiger noch genauer. Ueber ei-nige gegen die neuern Zusammensetzungen mit Messergemachten Einwürfe, sieh. Barometer.
Thesis, r. der Satz. In thesi, in der Regel, derRe-gel nach; auch in allgemeinen. 2. In der Tonkunst,der Niederschlag, der^rsis, oder dem Aufschlage, deraufsteigenden Note, entgegengesetzt. Eschenburg.
Theurg, ein Geisterseher oder Geisterbanner; man ver-steht einen Menschen—Narren oder Betrüger—darun-ter , welcher sich rühmt, Umgang mitGeistern zu ha-ben, und durch dieselben übernatürliche Kenntnisse undDinge erfahren und leisten zu können.
Theurgie, die Geistersehcrei, die Geisterbannung oderdas Geisterbannen. S. Theurg.
Thraso, ein Prahler, Haudegen. Hollberg hat denEigennamen Bramarbas dafür eingeführt.
Thrasoniseh, prahlerisch.
Thrichiasis, in der Arzeneikunst, eine Augenkrankheit,welche darin besteht, daß ein Theil der Haare der Augen-lieder rückwärts gewachsen ist, wodurch der Aug-apfclunaufhörlich gereizt und entzündet wird. Der Verfasserdieses Werks hat an diesem Uebel beinahe 40 Jahre ge-litten, bis es ihm endlich glückte, die den geschicktestenAerzten und Wund-ärzten, die er zu Rathe gezogen hat-te, verborgen gebliebene Ursache, selbst zu entdecken. Erließ hierauf die sehr feinen rückwärts gewachsenen Här-2. Band.
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chen ausziehen; und feine vieljährige Marter hatte einEnde. Nachher belehrten ihn die Aerzte, daß dieses Uebel— Thrichiasis, das Haar-übel, genannt werde.
Thyrsus, ein mit Ephcu- oder Wcinlaub umwundenerStab, den die Priester des Bachuö und diejenigen, wel-che das Fest desselben feierten, zuführen pflegten. Klop-stock hak Weinlaubstab dafür beliebt; welches aberhart klingt. Rankenstab würde theils minder hart klin-gen , theils auch allgemeiner passen , weil man bei Ran-ken an Ephcu und Weinlaub zugleich denken kann. DerDichter könnte auch wol, in Rücksicht auf den Zustandder Thyrsusträger, Taumelsiab dafür sagen.
Tiara, die dreifache Krone des Papstes. SowieWie-land Dreiweg für trivium gesagt hat, so könnte manauch Dreikrone für Tiara sagen.
Timide, furchtsam, schüchtern, blöde.
Timidität, die Furchtsamkeit, Schüchternheit, Blö-digkeit.
Timon , ein Menschenfeind oder Menschenhasser.
Tingi reu, färben, einen Anstrich geben.
Tinecur, 1. die Farbe, der Anstrich; 2. ein Krauter-aus-zug (Extract).
Tiphon, eine Wasserhose; eine Erscheinung auf demMeere, da.Wirbelwinde eine großeMengeWasscr trich-terförmig in die Luft winden.
Tirade, 1. in der Tonkunst, „ein musikalischer Zierrath,welcher nicht einen Zug oder Strich, sondern einen Schußoder Pfcilwurf bedeutet, weil die Stimme mit Machthinauf und hinunterschießt, und wobei ein gar schnellesSchleifen, gemeiniglich in die Quinte, auch wol, dochseltener, in die Qctaoe angestellt wird." Jacobssonstechnonol. Wörterbuch. Könnte es sonach nicht durchSchußlauf oder Schuelllauf verdeutscht werden ? 2. Inder Kunstsprache der schönen Wlssenschaften. Hier wer-den solche Stellen einer Rede oder eines Gedichts ge-meint, welche jenen Schnell-läufcn der Tonkunst glei-chen, indem der Redner oder Dichter über einen undebendenselben Gegenstand einen Strom von Gedankenund Empfindungen ausschüttet. Dis kann zweckmäßig,aber auch zwecklos sein; es kann aus wirklicher Fülleder Gedanken und Empfindungen, aber auch aus Ar-muth an Gedanken und Empfindungen und aus bloßerDehnungslust geschehen. Im ersten Falle wird das WortTirade in gutem, in dem andern hingegen (und fastgewöhnlich) in bösem Verstände genommen. In jenemnahm es z. B. König Friedrich, da er an V v ltai-ren schrieb: Ta Semiramis est remplie de gran-des beantes de detail et de ces süperbes Tiradesqui confirment le goiit decide que j’ai pour vosouvrages. Oeuvres compl. de Voltaire; edit, deLaie. Tom. 53. pag. 199. Hier würde ich über-setzen : Die Semiramis ist voll von jenen prächtigenSchnell-laufew, oder Gedankenstrvmen. Wenn TiradeLl in