Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
222
Einzelbild herunterladen
 

Rott

Roya

222

Rottiren, rotten; in zusammenrotten.

Rotnliren 5 Verhandlungen (Acten) nach ihrer Folge be-zeichnen und zu Einem Stoße oder Bündel ordnen. Be-zeichnen und ordnen scheinen hinreichend dafür zu sein?

Rotulus, ein Stoß oder Bündel gerichtlicher Verhand-lungen; rotulus testium, einZeugcnverhör, dieZeu-gen - aussagen.

Rotundo, Ststl.Rotonda, ein von außen und innen run-des Gebäude; also ein Rundgebaude. Eine rotundeZahl, numerus rotundus , ist eine runde Zahl, wel-che entweder auö lauter Zehnern besteht und die Einhei-ten ausschließt, z. B. 10, 20, 100, 1000 u. s. w.,oder auch bloß aus Einheilen, mit Ausschluß der Brüche.

Roue (spr. Ruch), ein unter dem Regenten Orlcansaufgekommener Ausdruck, womit dieser die liederlichenGenossen seiner schändlichen Ausschweifungen belegte; ei-gentlich ein Geräderter. Wir haben Galgenvogel, nie-driger, Galgenschwengel dafür. Die liebenswürdigenGalgenvogel (les aimables Roues) jener Seit wollenwir den Liebhabern überlassen , und unsere ehrbare Spra-che mit diesen und ähnlichen Ausdrücken, welche dieUn-sittlichkcit erzeugt hat, nicht besudeln.

Roulade (spr. Ruladc), in der Tonkunst, ein Lauf.

Roulanoe (spr. Rulangß'), derllmlauf, z.B. des Geldes.

Rouleau (Ruloh), wofür man aber gewöhnlich Rollohhört, 1. eine Rolle, z. B. eine Rolle Pistolen; 2. einan einer Rolle befestigter Vorhang zum Ausrollen, einRollvorhang.

Rouliren (spr., rultren), wofür man aber gewöhnlich rol-liren Hort, 1. rollen; 2. umlaufen, in Umlauf sein.In dieser uneigentlichcn Bedeutung wird es z. B. vomGejdc und von Gerüchten gebraucht.

Route (spr. Rute). Dieses Französische Wort kann balddurch Weg oder Straße, bald durch Reise, bald durchRichtung, verdeutscht werden.

Routine (spr. Rutine) , Fertigkeit, Geläufigkeit, Ge-schasts-erfahrung oder Geschaftsfertigkeit.

Routiniren (spr. rutiniren), sich, sich Fertigkeit oderGc-schastsfertigkeit erwerben. Er ist sehr routinirt im Vor-tragen, er ist darauf eingeübt, besitzt eine große Fertig-keit darin, oder er ist darin gewiegt.

Royal, königlich. Oft können wir auch Zusammensetzun-gen mit König dafür machen, z. B. Königspost, Ro-ste rogale, Königspapier, Royalpapier.

Rvyallst, einer der dem Könige ergeben ist, es mit ihmgegen seine Feinde hält. Man sagt dafür, ein König-lichgesinnter, welches aber freilich lang und unbehüflich

' ist. Ein Königsfreund und Königsmann, und die Kö-nigsleute, würden minder schwerfällig sein. Luther hatein Köingscher, Joh. 4, 4 7. worunter er aber nicht ei-nen von des Königs Partei, sondern einen königlichenBedienten, versteht; auch ist das Wort unausstehlichhart.

Royä

Royaute, (spr. Rojoleh), die königliche Würde. Wie»land schlägt dafür im Nov. des Merkurs 1792. Kö-nigthum vor, und beruft sich dabei auf den vielfachenGebrauch, den wir von der Endung thum machen, wor-unter allerdings auch der ist, daß eine durch dasWort,womit sie verbunden ist, bestimmte Würde dadurch an-gedeutet wird, wie in Priesterthum, Heermeisterthum,Heldenthum, einem von W i e l a n d gebildeten und mehr-mahls gebrauchten, aber in A d. Wörtcrbuche fehlendenWorte:

Vortrefflich! rief sie aus; das nenn' ich Helden-

thum!

Allein da weit öfter, ich darf vielleicht sagen gewöhnlich,durch Hülfe dieser Endsilbe, nicht die beiwohnende (sub-jective) Würde einer Person, sondern vielmehr der Kreisoder das Reich, worüber er zu gebieten hat, gegenständ-lich (objective) gedacht, bezeichnet wird, wie inKai-serthum, Markgrafthum, Herzogthum, Fürstenthum,Bisthum u. s. w.: so dürfte auch Königthum wol eherdas äußere Reich eines Königes, royaume, als diekönigliche Würde, royaute , ausdrucken. Hiezu kommt,daß dasWort Königthum ehemahls, wie noch jetzt dasEngl. Kingdom und das Holt. Konigdom, in derersten, aber nicht in der zweiten Bedeutung, wirklichüblich war, und so viel als Königreich hieß. Ich wür-de diesem zufolge rathen, für Royaute lieber Konig-schaft zu sagen, weil die Endung schaft, zwar in eini-gen Wörtern auch das, was jemand äußerlich besitzt undworüber er zu gebieten hat, z. B. in Grafschaft, aberdoch bei weiten häufiger einen gewissen innern Zustand,eine gewisse einwohnende Beschaffenheit und Würde an-deutet, wie z.B. in Jungferschaft, Knechtschaft, Leib-eigenschaft, Kindfchaft, Pilgerschaft, Schwangerschaftu. s. w. Ramler erkennt zwar (in der Abhandlungüber die Bildung der Nennwörter) daß die Endsilbe thumauf einen Besitz deute; allein, statt hinzuzufügen, daßsie in einigen andern, wiewol seltneren Fällen, auchdie mit dem Besitze verbundene Würde ausdrucke, wirfter die Beispiele von beidem untereinander, als wennBesitzthum und Würde einerlei bedeuteten:Sehr ein-leuchtend ist die Bedeutung dieser Endsilbe (thum) beiden Wörtern Kaiserthum, Königthum (einem Worte,welches jetzt in politischen Blättern häufig gebraucht wird),Herzogthum, Fürstenthum, Burggrafthum, Bischoff-thum, Priesterthum; Lateinisch: dominium impe-ratoris vel imperatorum, regum, ducum, prin-cipum, cet." Also dominium, der Besiß!Ebenso verhält es sich mit dem Worte Heermeisterthum, wel-ches die Herrschaft, die Würde eines Heermeisters be-deutet." Aber das ist ja ein anderer Begriff. Heer-meisterthum hätte also als Beispiel einer zweiten Art vonWörtern mit thum angeführt werden sollen, bei wel-chen diese Endsilbe, nicht auf Besitz, sondern auf diedamit verbundene Würde deutet.

Rt>*