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(mit einer Art von Gewalt losgerissen) vor uns dasteht."Hieraus würde denn noch deutlicher erhellen, daß dieSilbe ent in entsprechen, ganz unrichtig gebraucht wer-de, indem *sie hier eine- zustimmende Annäherung be-deuten soll, da ste doch, ihrer ursprünglichen Bedeu-tung nach, gerade das Gegentheil ausdruckte.
Der Pros. Joel Löwe, welcher das Wort entspre-chen in Schuh nahm, wollte es durch die Bemerkungrechtfertigen, daß das ent hier nicht die trennende Vor-silbe, sondern vielmehr eben das an mit dem Wohl-klangs-t sei, welches sich in antworten findet; so daßentspreche» eben so viel als ansprechen sein würde,welches z. B. von einem Tomverkzeuge gesagt wird,wenn esTöue zurückgibt, die jemand mit seiner Stim-me oder mit einem andern Tomverkzeuge gegen dasselbeerklingen laßt. Daß hier das a in e verwandelt fei,das rühre, meinte er, vermuthlich daher, daß der Haupt-ton nicht auf an, wie in antworten, sondern auf demZeitworte selbst liege, daher denn der Grundlaut (Vo-cal) von selbst aus dem breitem a in das feinere e über-gegangen sei. Den Grund der Verrückuug des Tonsvon der Vorsilbe aus die Wurzelsilbe fand er darin, daßman diesen Ausdruck von dem gewöhnlichen ansprechen,wenn es anreden bedeutet, dadurch vielleicht habe aus-zeichnen wollen. — Meine Antwort hierauf ist: i. wo-zu diese Auszeichnung, da die Bedeutung des Wortskeine wesentliche Veränderung leiden sollte, da viel-mehr, uach Löwens eigener Behauptung, entsprechengerade das Nämliche ausdruckt, was ansprechen sagt,wenn es von einem Tonwerkzeuge gebraucht wird ? Wo-zu war es denn nöthig, erst eine Veränderung mit demWorte vorzunehmen, wenn es nach der Veränderungnichts anders bedeuten sollte, als was es vor derselbenschon bedeutet hatte? 2 . Wenn entsprechen für anspre-chen gebraucht würde, oder vielmehr mit diesem einund ebendasselbe Wort wäre: so müßte es auch, wiedieses und wie die wenigen andern Zusammensetzungenmit ent für au (z. B. entzünden) nicht den dritten Fall(Dativ), sondern den vierten (Accusativ) führen.Man müßte also sagen: der Ausgang entsprach die Hoff-nung, nicht der Hoffnung. Gleichwol sagt man dieses,nicht jenes; ein Beweis, daß entsprechen und anspre-chen nicht einerlei sind, sondern daß ent hier wirklichdie entfernende Vorsilbe ist, die wir in entsagen, ent-reißen, entrücken u. f. w. haben. Z. Gesetzt aber auch,daß es mit L. Bemerkung seine Richtigkeit hätte, unddaß entsprechen nichts anders als ansprechen sei, undnichts anders bedeute: so müßte man jenes dennoch fürverwerflich erklären, theils weil seine Entstehung undZusammensetzung doch auch in diesem Falle für die al-lermeisten Deutschen etwas dunkles und unbegreiflicheshaben würde; theils weil es, so wie es nun einmahlist — es mag entstanden sein wie es will>—■ der Aehn-lichkeit, wo nicht aller andern, doch der allermeisten
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mit ent zusammengesetzten Wörter widerspricht; theilsendlich weil nicht abzusehen ist, warum ein Wort an-ders in seiner eigentlichen Bedeutung (ansprechen), undanders in seiner uneigentlichen (entsprechen) klingen soll,da man eine solche Doppeltönigkeit bei keinem andernWorte, welches eigentlich und uneigentlich gebrauchtwird, nöthig gefunden hat. 4, Wie wenig Aehnlichkeitdas Wort entsprechen in unserer Sprache habe, dassieht man unter andern auch daraus, daß man (wenig-stens in £>. D.) das gleichgebildete entsagen außer sei-ner gewöhnlichen Bedeutung, Verzicht thun oder aufge-ben, auch dazu gebraucht, das gerade Gegentheil vondemjenigen zu bezeichnen, was man durch entsprechenausdrucken will:
Entsagt Neapel meinem Hoffen,
So steht die ganze Welt mir offen.
Der Pilger, in Schillers Hören.Hier ist nämlich der Sinn: erfüllt Neapel meine Hoff-nung nicht; finde ich daselbst nicht, was ich zu findenhvffte. (Ad. hat zwar nicht diese, aber doch eine ähn-liche Bedeuiung von entsagen angeführt, nämlich die,daß es auch den Begriff verwerfen oder ausschlagenbezeichnet, z. B. einen Bürgen entsagen.) Was müßttdas für eine Sprache sein, in welcher sagen und spre-chen ungefähr einerlei, entsagen und entsprechen hin-gegen ganz entgegengesetzte Begriffe bezeichneten. Nochmehr; Heynatz sagt: „das einzige, was man ge-gen entsprechen mit einigem Scheine einwendenkönne, sei, daß mancher geneigt wäre, es im entge-gengesetzten Verstände zu verstehen und zu gebrauchen.Er führt sogar Stellen an, in welchen dieser Mißver-stand wirklich Statt findet. So schreibt z. B.Treschoin seinen theologischen Literaturbriefen: es -fei genug,wenn feine Schrift nur ihrem Titel nicht entspreche,für, nur nicht widerspreche. Mir scheint das ein sehrbedeutender Einwurf gegen ein Wort zu sein, .wennman darthun kann, daß Leute, sogar Gelehrte! welchenoch nicht wissen, welche Bedeutung der Sprachgebrauchdem Worte beigelegt hat, die entgegengesetzte Bedeu-tung natürlicher finden, und es in dieser zu gebrauchenkein Bedenken tragen. Beweiset das nicht offenbar, daßein solches Wort in demjenigen Sinne, der damit ver-bunden werden soll, der Aehnlichkeit der meisten, aufähnliche Weise gebildeten Wörter, schnurgerade entge-gen sein müsse? Dieser Einwurf wird noch stärker und,wie es scheint, völlig unwiderlegbar, wenn man denVersuch macht, Kinder und Ungelehrte, die ein solchesWort noch nie gehört oder gelesen hatten, seine Bedeu-tung errathen zu lassen, und diese nun immer auf dasGegentheil von derjenigen Bedeutung verfallen, die mauihm angekünstelt hat. Ich habe diesen Versuch über dasWort entsprechen mehrmahls gemacht, und der Erfolgwar gewöhnlich der, daß man das Wort entweder wie
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