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mit Kl 0 pst 0 ck'en zu reden, em seichtes Bctveisthü-mein oder eine solche Beweisthümclei.
Raisomieur (spr. Räsonnöhr), einer der sich mit Wor-ten widersetzt, ein Widerbeller. Abbt hat den mir un-bekannten Ausdruck, Schwermaul, dafür: „Von denStrafen gegen die sogenannten Schwermauler und Rai-sonneurs unter den Soldaten."
Raisonniren. In vielen Fällen wird dieses Wort mitverächtlichen Nebenbcgriffen gebraucht; und dann paßtunser vernünfteln dafür, z. B. er vernünftelt darüber,wie der Blinde über die Farben. Klopstock hat fürdiese Bedeutung das Spottwort beweisthümeln (in denGram. Gesprächen) gebildet: „Uebrigcns zeigten die Phi-losophen Herrschsucht genug, da sie noch Aner warenund beweisthümclten," d. i. beweisen wollten, wasnicht bewiesen werden kann, oder nicht bewiesen zu wer-den braucht. Zuweilen wird auch raisonniren für wi-dersprechen, gcgcnredcn, widersetzlich reden oder Ge-genvorstellungen machen, gebraucht. Auch hier hatKant das Wort vernünfteln dafür gebraucht: „EinSoldat darf nicht vernünfteln oder raisonniren." Alleindieses Zwittcrwort wird doch auch in gutem Sinne voneiner würdigen Vernunftthätigkcit gebraucht. So sagtman z. B. gut oder scharfsinnig über etwas raisonni-reii; und hier heißt es so viel, als: nach Vernunft-gründen etwas untersuchen oder über etwas urtheilen.An einem Deutschen Zeitworte, wodurch dieser Begriffoft einmahl ausgedruckt würde, fehlte es uns bishergänzlich. Rochow wagte es, vcrnnnften dafür zu bil-den. Dieses Wort hat nun zwar freilich einen unge-wöhnlichen und unangenehmen Klang, und, was nochschlimmer ist, es scheint zugleich dadurch demjenigen, deres ernsthafter Weise gebraucht, eine scherzhafte Mienezu leihen, oder wol gar, wegen seiner Verwandtschaftmir vernünfteln (wie schon Eschen bürg bemerkt hat),den Nebenbegriff von einem anmaßlichen Gebraucheoder vielmehr Mißbrauche der Vernunft zu erwecken. Daindeß das Wort doch ganz sprachrichtig und sprach-ähn-lich gebildet ist, so dürfte es beides, sowol den Anstrichdes Spaßhaften , als auch den des Ungebührlichen, baldverlieren, wenn gute Schriftsteller es in einem ernst-haften Tone und Zusammenhange zu gebrauchen sich ent-schließen könnten. T r a p p hat in den fortgesetzten Rei-sen die Bahn dazu gebrochen. Ich selbst habe in ei-nem scherzhaften Gedichte Gebrauch davon gemacht:
Ich war in kurzen ganz erblindet,
Und wollte fürder nicht mehr vernunften.
Da nun auf der einen Seite es uns an einem andernpassenden Ausdrucke für raisonniren gänzlich fehlt,und auf der andern es eine wesentliche Sprach-unvvll-kommcnheit ausmachen würde, wenn die Deutschen, diedoch so sehr als irgend ein anderes Volk sich des fleißi-gen Anbaues der Vernunft ohne Anmaßung rühmen dür-
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ftn, für die Vernunftthätigkeit kein eigenes allgemei-nes Wort in ihrer Sprache hätten: so kann ich nichtumhin zu wünschen, daß man dieses neue Wort für daSfremde raisonniren in Umlauf zu bringen suchen mö-ge. Der erste (aus der Fruchtbringenden Gesellschaft)welcher das Verkleinerungswort vernünfteln auf dieBahn brachte, scheint'das Dasein eines Stammworts,vernunften, dabei vorausgesetzt zu haben.
Für ckeraisonniren haben einige, z. B. ein Unge-nannter in der Zeitschrift Clio, und Henke in demArchiv der neuern Kirchengeschichte das Wort unver-nünfteln versucht. Dagegen wurde in den Beitrageneingewandt: daß, da in diesem Worte durch die Vor-silbe u n die Nebenbegriffe einer ungehörigen, ins Klei-ne oder Alberne fallenden Anwendung der Vernunft,welche dem vernünfteln, vermöge der Endsilbe eln, an-kleben, wieder aufgehoben würden, dadurch eher dasGegentheil des Deraisonnirens, als dieses selbst, aus-gedruckt werde. Allein Hr.Gerstner, ein scharfsinni-ger, wenn gleich noch nicht bekannter, Sprachforscherin Schwaben, theilte darüber dem Verf. folgende be-richtigende Bemerkung mit: „Die Vorsilbe u n verneintnur da, wo sie hingehört, folglich nicht bei Zeitwör-tern, weil sie zu diesen nicht gehört oder nicht gesetztwerden kann. llnvcrnünfteln ist nicht so viel, als nicht-vernünfteln, weil das un nicht als Verneinung zuvernünfteln gesetzt ist; sondern es ist das bloße Zeit-wort von Unvernunft, wie vernünfteln von Vernunft,und unsinncn (in Schwaben sagt man auch unsinneln)von Unsinn, welches eben so wenig für: nicht sinnen,gebildet ist. Es könnte auch diese Bedeutung nicht ha-ben; denn nicht sinnen, nicht vernünftig reden, heißtnoch nicht: unsinnig, unvernünftig reden. — Die Zeit-wörter auf eln sind entweder Wiederholungs- oder Ver-kleinerungswörter (oft beides zugleich), oder Nachah-mungswörter. Vernünfteln ist das letzte, die Vernunftnahahmen, thun als ob man sehr vernünftig wäre, spre-chen, als ob man mit der größten Vernunft spräche, alsob man etwas recht vernünftiges sagte, da man dochin Grunde etwas sagt, wobei gerade keine wahre Ver-nunft ist. Dis vernünfteln ist deraisonniren. Rnver-nünsteln und unsinneln kann man als Wiederholungs-wörler nehmen, oft Unvernunft, oft Unsinn schwatzen.Doch ich nehme sie lieber in dem Sinne, wie oben ver-nünfteln (als Nachahmungswörtcr) für: Unvernunft,Unsinn nachahmen, thun, als ob man unvernünftig, un-sinnig wäre, sprechen, als ob man Unvernunft, Un-sinn spräche, ob man gleich bei gesunder Vernunft istund nur etwas sagt, das unvernünftig oder unsinnigscheinen soll. D's wäre das beschere in loco, wofürwir, wie ich mich noch erinnere, auf der Universitätdas Wort unsinneln gebrauchten." — Indem ich dieBemerkung über die Vorsilbe un als richtig anerkenne,muß ich von diesem Sprachbeurtheiler doch darin abge-
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