Raff
Rais
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Rago
Raffinerie, 1. die Verfeinerung oder Läuterung über-haupt; 2. eine Zuckersiederei. In folgender Stelle ausLichtenbergs nachgelassenen Schriften würde ich dasWort Raffinerie durch Erkünstelung oder Kunstkniffübersehen: „Eine der größten Raffinerien des mensch-lichen Geistes ist die, daß man der Menschen Hoffnun-gen auf einen Zeitpunkt zusammengezogen hat, von wel-chem sich nie etwas entscheidendes für oder wider aus-machen lassen wird, obgleich ein undeutliches Gefühl,das schwer zu entwickeln ist , nur allzudcutlich zeigt, daßalles nichts i(l."
Raffineur (spr. Raffinöhr), der Zuckersieder.
Raffiniren; 1. läutern, reinigen, verfeinern. Man könn-te auch feinen dafür sagen, z. B. gefeinter Zucker. 2.Auf etwas raffiniren, auf etwas zu sinnen, etwas zuergrübeln, zu erkünsteln, zu erklügeln suchen. 3 . Raf-finat, verschmitzt, verschlagen, durchtrieben und ab-gefeimt, z. B. ein. solcher Mensch. Ich schreibe abge-feimt, und nicht wie Ad., Eberhard und andere,abgefaumt, weil jedermann in der Aussprache jene,nicht diese, Buchstaben hören läßt, und weil nach A d.'seigener Angabe, das Stammwort nur in einigen Ge-genden Faum, in andern aber Feim lautet. Bei durch-trieben und abgefeimt liegen zwar zwei, einander sehrähnliche Vorstellungsarten — bei jenem nämlich etwasdurch ein Sieb oder Durchschlag getriebenes und da-durch von dem Schlechteren und Gröberen gereinigtes,bei diesem etwas, wovon man den Schaum oder Ab-schaum weggenommen und es dadurch geläutert odergereiniget hat — zum Grunde; allein der Sprachge-brauch hat doch beide dergestalt unterschieden, daß dasletzte den Begriff, raffinirt, stärker, als das erste,ausdruckt, und daher gewöhnlich nur in Ernst und in bö-sem Sinne, nicht aber auch, wie dieses, in Scherz fürlose oder schelmisch gebraucht wird. S. über abgefeimtdie Beitrage zur weitern Ausbildung der DeutschenSprache IX. 78. u. folg. —-Heynatz merkt (im An*tibarb.) an: „es habe jemand bald im (in) Scherz ein-mahl feineln für raffiniren gesagt." Warum nicht ?
Raffraichiren (spr. raffräfchiren), erfrischen, kühlen, ab-kühlen. Bürger hat auch auffrischen dafür gesagt:Hoch aufgefrischt von dieses Tages Wonne.
Raffraichissant (spr. raffräschissang), erfrischend, küh-lend. Göthe hat auch erquicklich dafür:
Säuerlich war's und erquicklich.
Raffraichissement (spr. Raffräschissemang), die Erfri-schung, Erquickung.
Rage (spr.Rage); die Wuth, Raserei.
Ragout (spr. Raguh), ein mit vielerlei Dingen, welcheden Geschmack reizen sollen, vermischtes Fleischgericht.Heynatz hat es durch Appetit-essen übersetzt; alleinXppetit ist selbst nicht Deutsch. Da das Wesen einesRagouts darin besteht, daß vielerlei Dinge, Fleisch, Ci-
Rail
krönen, Kapern, Gurken, Würze re. unter einander ge-mischt werden: so wäre Mischgerichl vielleicht das rech-te Wort dafür. Stenzcl führt das N. D. WortPfefferpfanne (Peperpanne), und Gewürzsseisch, nachSalzfleisch gebildet, dafür an. Eingeschnittenes, wel-ches andere dafür vorgeschlagen haben, würde, scheintes, eben so gut auch für Fricasse passen. Uncigentlichgenommen, kann es füglich durch Gemisch oder Misch-masch übersetzt werden, z. B. seine Rede war ein Ge-misch von u. s. w.
Raillerie (spr. Ralljerih), der Scherz, die Spötterei.Par raillerie, aus Scherz, scherzweise. Raillerie üpart, Scherz bei Seite.
Railieur (spr. Ralljöhr), der Spaßmacher, Spötter,Spottvogel.
Raillireu (spr. ralljiren), scherzen, spaßen. Einen rail-liren, ihn aufziehen, schrauben, zum Besten haben.
Raison (fpr. Räsvng), 1. die Vernunft, z. B. in der R.a. einen zur Rasern bringen, d. t. zur Vernunft zu-rückführen , womit man aber meint, ihm zur Folgsam-keit, zum Gehorsam, oder zur Nachgiebigkeit bewe-gen. 2. Vcrnunftgründe oder vernünftige Vorstellung,z. B. in der R. a. er nimmt keine Raison an. 3 . DerGrund. Können Sie mir eine Raison davon angeben?sagt man. Raison d’etat, eine Staatsurfache. Rai-son de guerre, ein im Kriege gültiger Grund, alsoein Kriegsgrund.
Raisonnadle (spr. räsonnabl), vernünftig, billig, groß-müthig oder freigebig. In der gemeinen Sprcch-art wirddis Franz. Wort auch oft, wicwol seltsam, für tüchtigoder wacker gebraucht, wofür im O. D., auch in G ö-the'ns Götzvon Berlichingen,rechtschaffen gesagt wird.Es wurde rechtschaffen getrunken. Er wurde rechtsck af-schaffen durchgeprügelt. Schotte! macht einen Unter-schied zwischen vernünftig und vernünftlich; jenes er-klärt er durch ratione utens, rationalis (mit Vernunftbegabt), dieses durch id, quod ratione penetraripotest, rationabilis (vernunftmäßig). So auch un-vernünftig und unvernünftlich. Nicht übel; wenn's nurSprachgebrauch wäre oder würde!
Raisonnement (spr. Räsonncmang). Den Begriff, dendieses fremde Wort einschließt, können wir, jcnachdcmder Zusammenhang es erfordert, bald durch Betrach-tung, bald durch Vernunftbcleuchtung oder Vernunft-erörterung, bald durch Gedanken oder vernünftige Ge-danken über u. s. w. ausdrucken. Wir denken dabei aneine Folge oder Verkettung von Vcrnunftgründcu oderSchlüssen, und können daher auch wenigstens oft,Schlußkette, in einigen Fällen auch wolSchlußgebau-de, dafür sagen. Es fehlt seinem Schlußgebäude (sei-nem Raisonnerr.ent) an einem haltbaren Grunde. Sei-ne Schrift ist eine Schlußkettc über u. s. w. Ein seich-tes Raisonnement ? ist eine seichte Vernünftelet, oder,Bb 2 mit