Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
187
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gemacht, und dann Gauwort fur Provincialismuseingeführt werden möge.

Provinz, die Landschaft, der Gau.

Provinzial oder Provinciell, landschaftlich.DaSLandschaftliche in der Sprache." K l o p st o ck. Von demLeibnitzischen Landwort für Provincialismus läßt sichauch landwörtlich für provinciell ableiten.

Provision, i. der Vorrath; 2. die Bemühungsgebühroder Mühgebühr, die ein Kaufmann für die Ausrich-tung eines Geschäfts erhält, welches er für einen an-dern übernahm. Dorgewinn, welches Kinde rlingdafür hat, scheint nicht zu passen.

Provisionaliter oder provisorisch, vorläufig, einst-weilen, bis auf weiter, z.B. verfügen. Man kann auchoft vorkehrungsweise und vorkehrend dafür sagen.

Provisor. Dieser Lat. Titel kann bald durch Vorsteher,bald durch Verweser verdeutscht werden. Reichsverwe-scr, Provisor imperii.

Provocant, der Herausfoderer.

Provocation, 1. die Herausfoderung oder Ausfoderung;2. die Berufung auf etwas.

Provocire», 1. herausfodern; 2. sich berufen (aufetwas ).

Proximität, die Nahe, Nachbarschaft, nahe Verwandt-schaft.

Prüde (spr. Prüde). Wir denken dabei an eine verstell-te, und aus Verstellung übertreibende Spröde. Diesesspröde, so wie das Englische proucl, stolz, scheinenmit prüde Eines Ursprungs zu sein. Indeß verbindenwir mit unserm spröde nicht die angegebenen Nebenbe-griffe, welche prüde mit sich führt. Auch die ehemahlsvon mir vorgeschlagenen Ausdrücke mannschcu, und dieMannscheue, oder, wie der Sprachgebrauch will, dieMannscheu, passen nicht, weil ihnen wenigstens der ei-ne von jenen Ncbenbegriffen, der der Verstellung, fehlt.Möser meinte (in den Fantasien), der Ausdruck Tu-gendstolz erschöpfe den Begriff der Prüderie; alleindie Prüde ist oft am wenigsten sich einer vorzüglichenTugend bewußt, und kann also auch wol nicht stolz dar-auf sein. Affsprungs Verdeutschungen durch schein-keusch, die Scheinkeusche und die Scheinkeuschheit (fürPrüderie) kommen der Sache schon näher. Aber daman bei jenen Französischen Ausdrücken, nicht sowol aninnere Keuschheit und deren Schein, als vielmehr anein angenommenes sprödes Acußere zu denken pflegt: soscheinen mir scheinspröde, eine Scheinspröde und dieScheinsprödigkett oder Scheinsittsamkeit, die bestenVerdeutschungen zu sein.

Prudence (spr. Prüdangß'), die Klugheit.

Prüderie (spr. Prüderih), die Scheinsprödigkett, das Sprö-dethun. S. Prudc.

Pseudo, in Zusammensetzungen, falsch, z. B. derPseu-clo-Lmerdis, der falsche Smerdis.

Pseudonymisch, falschnamig.

Pseudonymus, der Falschnamige; auch von Menschen,der Verkappte.

Psychologie, die Seelenlehre. Sie ist entweder eineempirische, d. i. auf Erfahrung gebaut, und dafürsagen wir Ersahrungsseelenlehre oder künde, oder ei-ne rationale, welche aus Vernunflbcgriffcn hergeleitetwird, und diese nennen wir die übersinnliche.

Psychologisch, zur Seelenlehre gehörig, oder, wennwir zur Vermeidung dieser schleppenden Umschreibung,das veraltete lehrig wiederherstellen wollen, seelenlehrig.S. ^eslhetisch.

Ptisane. S. Tisane.

Pubertät, die Mannbarkeit, die Reife des Alters.

Public, publique (spr. püblik), öffentlich. Personapublica, eine öffentliche Person. Auch gemeinkundig:Ich überlasse es Ihnen, diese Anzeige gemeinkundig zumachen." Ein Ungenannter in der Jen. Lit. Zeitung.So auch landkundig.

Publicandum und Publication. Das erste bezeichnet et-was, das bekannt gemacht werden soll , das andere dieHandlung des Bekanntmachens. Man sollte also für je-nes eigentlich nur Bekanntzumachendes, und bloß fürdieses Bekanntmachung sagen. Allein man gebrauchtdas letzte für beide. Es wäre indeß besser für Publi-candum öffentliche Anzeige zu sagen. Publicatio bo-norum bedeutet die Einziehung des Vermögens.

Publiciren, bekanntmachen, eröffnen, z. B. den letztenWillen eines Verstorbenen.

Publicist, ein Lehrer oder Kenner des Staatsrechts.

Publicität, die Defferulichkeit. Diese Verdeutschung, dieich ehemahls schon versuchte, ist in der Jen. Liter. Zei-tung gebilligek worden, und Rochow hat sie ange-nommen.

Publicum. In einigen Fallen können wir das Gemein-wesen dafür sagen; z. B. der brave Mann sieht bei al-len seinen Unternehmungen mehr auf den Vortheil desGemeinwesens, als auf seinen eigenen.Wir legen die-se Schrift dem gelehrten gemeinen Wesen vor." Anhalt,krit. Bibliothek. In andern können wir das WortWelt oder Lesewelt dafür gebrauchen. Die Welt nahman diesem Streite wenig Antheil. Er berief sich auf dasUrtheil der gesammten Lesewelt. Kaiser Josephnannte es (in einer Schrift über die einzuführende neueSteuer) das Allgemeine:Der Landesfürst in einemmonarchischen Staate hat über die Verwendung der öf-fentlichen Einkünfte, nach seiner Ehre, (seinem) Gewis-sen und (seinen) Pflichten, dem Allgemeinen Rede undAntwort zu geben." Zu unbestimmt. Zuweilen könnenwir das Wort Publicum durch den Gebrauch des Bei-worts öffentlich umgehen. Dis hätte z.B. in folgenderStelle geschehen können:Was reine und schöne Em-pfindung für zwei gleichgestimmte Seelen ist, das wirddurch Darlegung vor dem Publicum (durch öffentlicheAa 2 Darle-