Poterne, eine geheime Pforte in den Festungswerken,wodurch man unvermerkt Ausfälle machen kann. Wirkönnten Schlupfpforte dafür sagen, wenn dieses Wort,des doppelten pf wegen, nicht gar zu hart wäre. Alsolieber Schlupfchor, nach Schlupfwinkel gebildet.
Poc-pourri (fpr. Pohpurri), ein Gefäß mit getrocknetenund eingesalzenen wohlriechenden Blumen und Kräutern,die einen angenehmen Duft aushauchen; ein Rieche-topf, edler, eiz; Duft- oder Düftetopf. Uneigentlichgenommen, wird ein Mischmasch oder Gemengsel dar-unter verstanden.
Poudre (fpr. Puder), Haarmehl oder Haarstaub.
Poularde (fpr. Pularde), ein Kapphuhn, wie Kapphahn.
Poupon unö Pouponne (fpr. Pupong, Puponne), diePuppe, N. D. die Docke, verkleinert, Püppchen, Döck-chen. Göthe hat Docke auch in die Schriftspracheeingeführt: „Er wünscht lieber sich eine Hausfrau, alsder Welt eine Putzdocke zu bilden." Eben dieser Schrift-steller hat auch das landschaftliche Quackelchen ge-braucht: „Sie lief zu ihm hin, herzte feinen garstigen,schmutzigen jüngsten Buben, das Quackelchen seinesAlters;" dem Moritz durch eine unrichtige Herleitungfälschlich die Bedeutung einer Puppe beigelegt hat. Hiersind seine Worte: „Der provinzielle (landschaftliche)Ausdruck Quackelei, anstatt Tändelei (diese Bedeutunghat das Wort wol nie gehabt; es bezeichnet vielmehrein unmännliches, unzuverlässiges, wankelmühiges Ver-fahren) ist bekannt. Er bezeichnet das Kindische, Spie-lende, im höchsten Grade. (Keinesweges!). Quackel-chen, ein Kind, womit der alte gleichsam wieder kin-disch wird, ist daher ein so bedeutungsvoller Ausdruck,als man ihn in der Büchersprache gewiß nicht findet.Bonden Ausdrücken: die Freude des Alters, die Tän-delei seines Alters, hätte der erste zu viel, der anderezu wenig gesagt (beide hätten vielmehr etwas ganz an-ders gesagt, als was Göthe sagen wollte); und dieLebhaftigkeit des Begriffs (vielmehr der ganze Begriff)wäre verloren gegangen. Das Dimimitivum (Verklei-nerungswort) mildert wieder den Begriff des Verächtli-chen, der sonst mit dem Ausdrucke quackeln verbundenist; und Quackelchen ist also in jeder Rücksicht (Hin-sicht) ein Wort, das in dieser Jdeenverbindung undDarstellung unentbehrlich war." Vorlesungen über denStil. Allein Quackelchen ist, wie Heynatz im Anti-barbarus gezeigt hat, nicht von quackeln gebildet, son-dern weiter nichts als das Verkleinerungswort vonQuack, ein kleines (noch quackendes) Kind ; daher Nest-quack, das Nestküchlein. S. Frisch und das Brem.Wörterbuch. Gesetzt aber auch, sagt H e y n atz, es hät-te mit jener Ableitung seine Richtigkeit, so wäre dasWort Quackelchen eben so sprachwidrig gebildet, alswenn man Hatschelchen von hätscheln ableiten wollte.— A d. hat das Wort von quakeln, dem verkleinern-den quaken, abgeleitet, und es daher Quakelchen ge-
schrieben. Allein wenn Göthe diese Abstammung inSinne gehabt hätte, so würde der Zusatz: seines Al-ters , nicht recht zu passen scheinen. DaS Nestküchleinseines Alters gibt einen guten Sinn.
Pour la bonne bouche (spr. pur la bonn' Busch'), für'sLeckermaulchen.
Pour passer le tems (fpr. pur passeh le Tang), gewands-weise, im N. D. quantsweise: „Lesfing nahm vieles,was er für schadhaft erkannte, gewandsweise, gymna-stisch (Uebungswegen) in Schutz." Herder.
koussiren (spr. pussiren), eigentlich, stoßen und treiben;uneigentlich, forthelfen, unterstützen, auch durchsetzen.Sich poussiren, sich emporschwingen. S. auch Jas-siren,
Pouvoir (fpr. Puwoahr), die Macht, das Vermögen,die Gewalt. PJein-pouvoir, volle oder unbeschränk-te Macht oder Gewalt. Vollmacht sagt weniger. Pou-voir executif, die vollziehende Macht oder Gewalt.
Practic, £at. Practica, die Ausübung.
Practicabilität, die Ausführbarkeit, Ausüblichkeit, Thun-lichkeit.
Practicable (fpr. praktikabl), thunlich, ausüblich, aus-führbar. Von Wegen gesagt, z. B. der Weg, der Wald,die Gegend ist gar nicht practicable, können wir esdurch pfadig und wegsam verdeutschen. Daß erste istim Hennebergischen üblich, und in der Jen. Litter. Zei-tung (Nr. i r 8. i 79 L.)wird darüber geurtheilt: daßes in Reinwalds Henneb. .Jdiotieon vielleicht daseinzige fei, welches in die Schriftsprache aufgenommenzu werden verdiene.
PraLtiLiren, ausüben; ein ausübender Arzt, Rechtsge-lehrter u. s. w. se>n.
Pracricus. Er ist ein alter Practicus, sagt man; undmeint: es ist ein geübter erfahrner Mann. Wir ha-ben auch die R. a. in einer Sache, in gewiffen Ge-schäften u. s. w. geneigt sein, für, Kenntniß und Er-fahrung darin haben.
Practiken, Griffe, Ranke, Rechtskniffe. Jn N.D. hatman auch Lurre dafür, welches bei Frisch'en Lurdelalltet. S. Brem. Wörterb. Mit diesem scheinen dasFranz. Peurre, das 3taf. Logaro, und das beim K i-li an vorkommende Pore, ein Lockaas, besonders das-jenige, was man dem Falken zeigt, um ihn wiederherabzulocken, verwandt zu sein, weil auch bei diesenähnlich klingenden Wörtern der Begriff des Vergebensund des Beiruges zum Grunde liegt. Practikenma-chrr, ein Ränkemacher, Ränkeschmid. Lurrcn-oderLurdendreher.
Praetiseli, werkthätig, angewandt, anwendbar, aus-übend; z. D. eine werkthälige Anweisung; ein ausüben-der Arzt; der angewandte Theil einer Lehre oder Wis-senschaft; eine anwendbare Vorschrift. Realis deVienna hat werkkünstig dafür: „Der mathematische2) 2 Lehrweg