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2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
167
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Poli

Polo

Polt

lirt sind wir schon lange gewohnt durch ungeschliffen zubezeichnen.

Polisson (spr. Polissong), ein Bube oder Gassenbube,ein Zotenreißer.

Polissonnerie, eine Ungezogenheit; ein Gassenscherz;eine Zotenreißerei; eine Unffaterei; grad-artige Wörter.

Politesse, die Höflichkeit, Feinheit, Artigkeit. S. auchPolitur.

Politio, i. als Wissenschaft, die Staatswissenschaft,Staatskunst; 2. als Fertigkeit, die Staatskunde,Staatsklugheit; oft Klugheit oder List schlechtweg.Log au hat Weltkunst dafür gesagt, und diese Kunstin folgendem Sinngedichte beschrieben:

Heutige Weltkunst.

Anders sein, und anders scheinen;

Anders reden, anders meinen; '

Alles loben, alles tragen;

Allen heucheln, stets behagen;

Allem Winde Segel geben;

Alles Thun und alles DichtenBloß auf eignen Nutzen richten;

Wer sich dessen will befleißen,

Kann politisch heuer heißen.

Politicus, ein staats- oder weltkluger Mann; in ver-ächtlichem Sinne, ein Staatsklüglcr, uneigentlich, einSchlaukopf.

Politisch, 1. staatsklug, staatskundig, weltklug; 2.bürgerlich, z. B. bürgerliche Verfassung. In andern Fal-len bilden wir Zusammensetzungen mit Staat, z. B.Staatsverhaltnisse, Staatsgründe, Staatsverfassung,Staatsverbindungen u. s. w. Im gemeinen Leben wirdes oft auch bloß für klug gehört.

Politur, die Glatte, der Glanz; uneigentlich, die Ab-geschliffenheit, Feinheit.Ich habe auch Geschliffen-heit dafür gefunden.^ Ebert. Lavater hat Glatt-heit dafür gesagt.

Polire. S. Police. x

Polizei. Da der wesentliche Zweck derselben die Erhal-tung der öffentlichen Ordnung ist, (denn daß die Poli-zei auch für die Sicherheit der Personen und des Ei-genthums wachen muß, wird darin mit begriffen): sowürden Drdnungs-anstalt und Drdnungs-aufsicht denBegriff hinlänglich bezeichnen. In Liafland sind T)rd-nungsgericht und Drdnungsrichter schon eingeführteund gangbare Ausdrücke. S. Deutsches Museum 1778B. 2. Seit. 475. Ein Polizeidiener, ein Polizeibc-fehl, und dic.Polizeiwiffenschaft, würden also ein Die-ner, ein Befehl und die Wissenschaft der Drdnungs-aufsicht sein. Man hak auch Stadt-ordnung dafür ge-braucht.

Pollution, eigentlich die Befleckung; man versteht aberdarunter die nächtliche Saamen-ergießung.

Polonoise (spr. Polonäse), ein Polischer oder Pol'scher

Poly 167

(durch welche Aehnlichkeitsrcgel will man Polnische recht-fertigen ?) Tanz.Alla Polacca, wenn der Gangdes größcrn Tonstücks, eine jenem Tanze ähnliche Be-wegung hat." Efchenburg. Also im Polischen Ton-gange.

Poltron (spr. Poltrong), 1. als Beiwort, feige, 2. alsSachwort, eine Memme oder feige Memme. DasFranz. Wort ist aus dem Lat. pollice truncus , einam Daumen Verstümmelter, entstanden; weil eS Fei-ge gab, die sich den Daumen abhaueten, um sich zumKriegsdienste untüchtig zumachen. Stuß, meint:DerBegriff, den Poltron bezeichnet, werde durch Memmeoder feige Memme nicht erschöpft. Man nenne, so vieler wisse, den Feigen nur dann einen Poltron, wenner sich im äußerlichen (äußern. S. Exterieur) Betra-gen durch Trotz und Drohung den Schein der Uncr-schrockenheit geben will." Das ist aber ein Irrthum.Poltron und Memme sind völlig gleichbedeutend. Auchdas N. D. Wort Lappe druckt etwas ähnliches aus. Esbedeutet nämlich nicht bloß, wie das ihm antwortende

H. D. Lasse, einen jungen unbesonnenen, sondern aucheinen feigen, weibischen und nichkswürdigcn MenschernLog au gebraucht es für Kapphahn; denn, sagt Les-sing, wer wird für feiger, weibischer und nichtswür-diger gehalten, als ein Verschnittener? Da aber derBegriff der Feigheit weniger, als der der Nichtswür-digkeit in der Bedeutung dieses Worts hervorsticht, sokann ich doch nicht rathen, es dafür zu gebrauchen.

Poltronnerie, die Feigheit, Memmerei.

Polygamie, die Ehe mit mehr als Einer Person, dievielfache ^he. Sie ist entweder eine Polyandrie,Vielmannerei, oder Polygynie, Vielweiberei. Gewöhn-lich versteht man aber unter Polygamie die letzte.

Polygarchie, die Vielherrschcrei, da viele die höchsteGewalt gemeinschaftlich ausüben.

Polyglottenbibel, die vielzüngige Bibel, d. i. die Bi-bel oder heilige Schrift in vielen Sprachen.

Polygon, ein Viel-eck.

Polygraph, ein Vielschreiber.

Polygraphie, die Vielschreiberei.

Polyhistor, ein Vielwisser.

Polyhistotie, die Vielwisserei.

Polype, Lat. Polypus, 1. nach buchstäblicher Ucberft-' tzung würde man Dielfuss dafür sagen müssen. Alleinda diejenigen Theile dieses pflanzcn-artigen Thiers, wel-che in der Grichisch-lakeinischen Benennung als Füße be-trachtet werden, wol paßlicher die Arme desselben ge-nannt würden: so könnte man es'den Viel-arm nennen.In sofern ein Gewächs im menschlichen Körper darun-ter verstanden wird, ist voll einigen Flcischgewachs da-für vorgeschlagen worden, welches aber nicht bestimmtgenug bezeichnet. Hepnatz will Adergewachs dafür ge-funden haben; möchte aber selbst lieber Zasergewachsdafür sagen, welches auch mir besser, als jenes zu sein

scheint.