Poli
Polo
Polt
lirt sind wir schon lange gewohnt durch ungeschliffen zubezeichnen.
Polisson (spr. Polissong), ein Bube oder Gassenbube,ein Zotenreißer.
Polissonnerie, eine Ungezogenheit; ein Gassenscherz;eine Zotenreißerei; eine Unffaterei; grad-artige Wörter.
Politesse, die Höflichkeit, Feinheit, Artigkeit. S. auchPolitur.
Politio, i. als Wissenschaft, die Staatswissenschaft,Staatskunst; 2. als Fertigkeit, die Staatskunde,Staatsklugheit; oft Klugheit oder List schlechtweg.Log au hat Weltkunst dafür gesagt, und diese Kunstin folgendem Sinngedichte beschrieben:
Heutige Weltkunst.
Anders sein, und anders scheinen;
Anders reden, anders meinen; '
Alles loben, alles tragen;
Allen heucheln, stets behagen;
Allem Winde Segel geben;
Alles Thun und alles DichtenBloß auf eignen Nutzen richten;
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.
Politicus, ein staats- oder weltkluger Mann; in ver-ächtlichem Sinne, ein Staatsklüglcr, uneigentlich, einSchlaukopf.
Politisch, 1. staatsklug, staatskundig, weltklug; 2.bürgerlich, z. B. bürgerliche Verfassung. In andern Fal-len bilden wir Zusammensetzungen mit Staat, z. B.Staatsverhaltnisse, Staatsgründe, Staatsverfassung,Staatsverbindungen u. s. w. Im gemeinen Leben wirdes oft auch bloß für klug gehört.
Politur, die Glatte, der Glanz; uneigentlich, die Ab-geschliffenheit, Feinheit. „Ich habe auch Geschliffen-heit dafür gefunden.^ Ebert. Lavater hat Glatt-heit dafür gesagt.
Polire. S. Police. x
Polizei. Da der wesentliche Zweck derselben die Erhal-tung der öffentlichen Ordnung ist, (denn daß die Poli-zei auch für die Sicherheit der Personen und des Ei-genthums wachen muß, wird darin mit begriffen): sowürden Drdnungs-anstalt und Drdnungs-aufsicht denBegriff hinlänglich bezeichnen. In Liafland sind T)rd-nungsgericht und Drdnungsrichter schon eingeführteund gangbare Ausdrücke. S. Deutsches Museum 1778B. 2. Seit. 475. Ein Polizeidiener, ein Polizeibc-fehl, und dic.Polizeiwiffenschaft, würden also ein Die-ner, ein Befehl und die Wissenschaft der Drdnungs-aufsicht sein. Man hak auch Stadt-ordnung dafür ge-braucht.
Pollution, eigentlich die Befleckung; man versteht aberdarunter die nächtliche Saamen-ergießung.
Polonoise (spr. Polonäse), ein Polischer oder Pol'scher
Poly 167
(durch welche Aehnlichkeitsrcgel will man Polnische recht-fertigen ?) Tanz. • „Alla Polacca, wenn der Gangdes größcrn Tonstücks, eine jenem Tanze ähnliche Be-wegung hat." Efchenburg. Also im Polischen Ton-gange.
Poltron (spr. Poltrong), 1. als Beiwort, feige, 2. alsSachwort, eine Memme oder feige Memme. DasFranz. Wort ist aus dem Lat. pollice truncus , einam Daumen Verstümmelter, entstanden; weil eS Fei-ge gab, die sich den Daumen abhaueten, um sich zumKriegsdienste untüchtig zumachen. Stuß, meint: „DerBegriff, den Poltron bezeichnet, werde durch Memmeoder feige Memme nicht erschöpft. Man nenne, so vieler wisse, den Feigen nur dann einen Poltron, wenner sich im äußerlichen (äußern. S. Exterieur) Betra-gen durch Trotz und Drohung den Schein der Uncr-schrockenheit geben will." Das ist aber ein Irrthum.Poltron und Memme sind völlig gleichbedeutend. Auchdas N. D. Wort Lappe druckt etwas ähnliches aus. Esbedeutet nämlich nicht bloß, wie das ihm antwortende
■ H. D. Lasse, einen jungen unbesonnenen, sondern aucheinen feigen, weibischen und nichkswürdigcn MenschernLog au gebraucht es für Kapphahn; denn, sagt Les-sing, wer wird für feiger, weibischer und nichtswür-diger gehalten, als ein Verschnittener? Da aber derBegriff der Feigheit weniger, als der der Nichtswür-digkeit in der Bedeutung dieses Worts hervorsticht, sokann ich doch nicht rathen, es dafür zu gebrauchen.
Poltronnerie, die Feigheit, Memmerei.
Polygamie, die Ehe mit mehr als Einer Person, dievielfache ^he. Sie ist entweder eine Polyandrie,Vielmannerei, oder Polygynie, Vielweiberei. Gewöhn-lich versteht man aber unter Polygamie die letzte.
Polygarchie, die Vielherrschcrei, da viele die höchsteGewalt gemeinschaftlich ausüben.
Polyglottenbibel, die vielzüngige Bibel, d. i. die Bi-bel oder heilige Schrift in vielen Sprachen.
Polygon, ein Viel-eck.
Polygraph, ein Vielschreiber.
Polygraphie, die Vielschreiberei.
Polyhistor, ein Vielwisser.
Polyhistotie, die Vielwisserei.
Polype, Lat. Polypus, 1. nach buchstäblicher Ucberft-' tzung würde man Dielfuss dafür sagen müssen. Alleinda diejenigen Theile dieses pflanzcn-artigen Thiers, wel-che in der Grichisch-lakeinischen Benennung als Füße be-trachtet werden, wol paßlicher die Arme desselben ge-nannt würden: so könnte man es'den Viel-arm nennen.In sofern ein Gewächs im menschlichen Körper darun-ter verstanden wird, ist voll einigen Flcischgewachs da-für vorgeschlagen worden, welches aber nicht bestimmtgenug bezeichnet. Hepnatz will Adergewachs dafür ge-funden haben; möchte aber selbst lieber Zasergewachsdafür sagen, welches auch mir besser, als jenes zu sein
scheint.